Mr. Irish Bastard - Fistful of Dirt

Mr. Irish Bastard - Fistful of Dirt

Viel ist passiert im Hause Bastard in den letzten Jahren. Nach unzähligen Konzerten im deutschsprachigen Raum wurden mit Touren und Releases in Japan und China auch die beiden größten Märkte in Ostasien im Handstreich genommen. Trotzdem fanden die 5 Münsteraner nun die Zeit, sich mal wieder dem Schreiben neuer Songs zu widmen. Das Ergebnis hört nun also auf den Namen "Fistful of Dirt".

Um es direkt vorweg zu nehmen: Mit ihrem 2. Album haben Mr. Irish Bastard genau den erwarteten Schritt in die richtige Richtung gemacht. "A Fistful of Dirt" katapultiert die Band von einem gefeierten Newcomer, hin zu einer Band, die in den nächsten Jahren noch ein gewaltiges Wort in diesem Genre mitreden wird.

Die Songs auf "A Fistful of Dirt" sind schon beim ersten Hören so eingängig, dass man das Gefühl bekommt, als wären sie schon immer da gewesen. Quasi so, als hätte man sie schon immer im Kopf gehabt und es hätte nur derjenige gefehlt, der sie endlich aufschreibt und einspielt.

Doch der Reihe nach... Nach dem bekannten Intro "Thirty Pieces of Silver" beweisen die Bastards mal wieder ihr Faible für die langsam außer Mode zu kommen scheinenden Instrumentals zur Einleitung einer Platte. Zwar ist es diesmal fröhlicher als noch auf "Bastard Brotherhood", doch nicht weniger gut. Der erste "richtige" Track ist dann das vom letztjährigen "Almost St. Patrick's Day II"-Sampler bekannte "Bite The Dust", ein blitzsauberes Stück Musik mit harten Gitarren, einem recht ungewohnten Stimmeffekt und einer wunderbaren Mitsing-Hook. Wie ich damals bereits schrieb ein nahezu perfektes Stück Rock. Auch "Skin & Bones" sollte nicht gänzlich unbekannt sein, da es ja seit längerem schon in Konzerte eingebaut wird und das erste Bastards-Stück ist, welches ein eigenes Video erhielt. Auch muss ich sagen, dass ich mich mittlerweile recht gut an den Wechsel vom eher rhytmisch geprägten Beginn hin zum rockigen Sing-Along-Part gewöhnt habe. Irgendwie rockt der Song bei jedem Hören mehr.

Mit "I smell the Blood" folgt dann ein riesiges Gitarrenbrett, bevor mit "Ghosttrain" der Weg auf eher ungewohnte 3/4-Gefilde eingeschlagen wird. Dies gelingt jedoch erstklassig und wird auf Konzerten für die ein oder andere Schunkel-Einlage sorgen wird. Thematisch und musikalisch für mich einer der Bringer dieses Albums.

Nachdem "Paddy'S Last Tango" mich dann zunächst an einen Kinder-Abzählreim erinnert und sich im Verlauf des Songs in einen dieser unvergleichlichen Bastards-Sing-Aongs entwickelt, folgt mit "Forty Something Street" für mich der einzige etwas schwächere Song des Albums. Dies ist zwar Jammern auf hohem Niveau, aber mit dem Track werde ich noch nicht so ganz warm.

Dafür geht es bei "Don't Judge Me" in bester Punk-Manier wieder so richtig schön los und The Irish Bastard Himself schleudert einem richtig schön ein gepflegtes "Fuck You!" in die Fresse. Das, untermalt von richtig schön harter Musik, ist genau meine Welt und einer der Gründe, warum ich diese band so verehre. Ein grandioser Song. Daran knüpft dann auch "Refugee from Hell" an. Zwar weniger aggressiv, dafür ist da aber wieder der bekannte Mitsing-Faktor.

Gegen Ende des Albums wird die Scheibe noch einmal richtig groß. Mit "Another Man's Country" und "End of the World" hat man sich also die besten Stücke bis zum Ende aufgehoben, die es alleine Wert sind, dieses Album zu besitzen. Ersteres mal wieder ein eher politisch angehauchtes Stück der Münsteraner mit einem Text zu Nachdenken und wunderbarer, gemäßigter Härte, letzteres wieder eine dieser Balladen, die Lennon auf jeder Platte raushaut. "End of the World" reiht sich nahtlos ein in die Reihe "Hate & Loath" und "Killybegs". Ein Song, der diesen netten Schauer auf dem Rücken aufkommen lässt, auch aufgrund dieser wunderbaren Zeilen "I'm surrounded by demons, and most of them are mine". Grandios!

Der geneigte Hörer mag gemerkt haben, dass ich drei der Songs ausgespart habe. Doch auch die drei Cover "Second World Song","You spin me round" und "Isn't it grand, Boys?" fügen sich genial in dieses Album ein.

Soviel zu den Songs, doch auch der Fortschritt in der Produktion sei hier einmal erwähnt. Auch diesmal saß wieder Gran E. Smith an den Reglern und man muss sagen, dass er ganze Arbeit geleistet! Hervorragend herausgearbeitet sind Gitarren und eher traditionelle Folk-Parts. Besonders deutlich wird dies bei der wunderbar klaren Melodie-Linie, die Lady Lily's Flöte bei "End of the World" abgibt, von der das ganze Stück getragen wird. Doch auch bei allen anderen Stücken sei einmal auf Arrangement und Produktion geachtet. Eine Glanzleistung! Thematisch ist das Album, meines Erachtens nach, ein wenig dunkler gestaltet, dreht es sich doch häufig um Tod und Verlassen werden / sein. Ich hoffe, ich muss mir da keine Sorgen machen...

Was bleibt also noch zu sagen? "A Fistful of Dirt" ist ein unglaubliches Album geworden, vielleicht eins der wichtigsten Alben dieses Genres in den letzten 10 Jahren. Zu gut werden hier einfach Punk und Irish Folk kombiniert, ohne platt zu klingen oder einfach nur Traditionals zu verpunken. Eine Meisterleistung von der sich einige Bands eine gehörige Scheibe abschneiden können!

Autor: Jöran Kuschel

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