Dillinger Four - Civil War

Dillinger Four - Civil War

Sechs Jahre sind eine lange Zeit... Fast die ganze Amtszeit von George W. Und genau so lange hat es gedauert, bis Dillinger Four, eben ziemlich genau am Vorabend der Wahl in den USA, ihren Nachfolger zu Situationist Comedy vorlegen können. Somit haben sich immerhin die anhaltenden Gerüchte, die Band würde sich auflösen als nichtig erwiesen.

Doch schauen wir lieber einmal auf das Produkt der langen Schaffenspause. Mit Civil War zeigen die Herren aus Minneapolis warum sie als eine der einflussreichsten Bands des Mittleren Westens galten und auch immer noch gelten können. Die Platte hat genau das, was guten Punkrock ausmacht. Kein Schnickschnack, sondern harten, rauhen Sound. Keine übermäßig im Vordergrund stehenden Gitarren, sondern von der Stimme getragene, eingängige Hooks.

Überhaupt ist das, was Eric Funk und Paddy Costello am Mic liefern ganz großes Kino. Hervorragende Hooks, schöne Melodien, so dass die Gitarren hier einfach mal im Hintergrund bleiben können und zusammen mit Drums und Bass für ordentlich Dampf von unten sorgen. So wie sich das für Punk gehört. Und trotzdem wird einem nicht langweilig. Das gilt sowohl für die schnellen Nummern, wie auch für die ab und zu eingestreuten ruhigen Tracks.

Schon beim ersten Stück "A Jingle for the Product" möchte ich am Liebsten von einem Highlight sprechen. Es gibt sofort auf die Fresse und ne schöne Hook zum mitsingen. Doch muss ich ehrlich gestehen, dass eine solche Auszeichnung des Openers dem Rest der Platte nicht gerecht werden würde, da alle Songs, abgesehen vielleicht einmal von "Fruity Pebbles" mit dem ich einfach nicht warm werde, dieses Level halten können.

Einzig und allein damit ich noch nen Anspieltipp unterbringen kann möchte ich hier mal "parishiltonisametaphor" nennen. Mein Lieblingstrack der Platte aufgrund von Sound, Aussage und der perfekt passenden rauhen Stimme. Mag ich einfach. Aber im Grunde fügt er sich genau so ins Gesamtbild ein, wie alle anderen Songs auch.

Vor allem hervorzuheben ist natürlich der Sound der Scheibe. Dreckig, roh, punkig. Und das alles, ohne künstlich oder im Umkehrschluss billig produziert zu klingen. Das Album klingt einzig und allein echt.

Thematisch behandelt man sowohl soziale Themen, wie in "Minimun Wage is a Gateway Drug", als auch persönliches, wie im schon angesprochenen "A Jingle for the Product" oder auch in "Gainesville".

Bleibt also zu sagen, dass sich eine so lange Wartezeit gelohnt hat. Civil War ist ein echtes Brett und sollte in keiner guten Punk-Sammlung fehlen. Ausgewogen, stimmig, einfach zu empfehlen. Man erfindet zwar das Rad nicht neu, aber man zeigt so einigen Bands auch mal, was Punkrock eigentlich ausmacht. Für mich, auch im Hinblick auf das nahende Jahresende, einer der Top-Ten-Releases des Jahres.

Autor: Jöran Kuschel

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