Anti-Flag - The People Or The Gun

Anti-Flag - The People Or The Gun

Man muss sich einmal vorstellen, dass einer Band das Feindbild der letzten Jahre, um den sich viel des Schaffens drehte, verloren geht. Was macht man da? Sich zurück ziehen und das Ganze mal überdenken? Nicht so . Sie geben noch einmal eine Abschiedsvorstellung für den werten Herrn Bush, die sich gewaschen hat.

In diesem Sinne ist "The people or the gun" eine gnadenlose Abrechnung geworden, die noch einmal alle Fehler seziert und den Bogen schlägt zu den jetzigen politischen und wirtschaftlichen Ereignissen. Man kann nur hoffen, dass den Jungs diese Kraft nicht ausgeht. Das neue Album ist somit zwar Anti-Flag as usual, das ganze rockt aber wie nie zuvor. Im eigenen Studio produziert vereint es die typische Aggression, die politischen Texte und eine unglaubliche Produktionsweise, die einen absoluten Hörgenuss liefert.

Direkt von Anfang an gibt es mal wieder ordentlich vor den Latz. "Sodom, Gomorrah, Washington D.C. räumt mit seiner aggressiven Screamo-Weise mit dem ganzen religiösen Wahn auf, der die letzten Jahre in der amerikanischen Regierung genutzt wurde um Ängste zu schüren und die Massen zu kontrollieren. Und so geht es die ganze Zeit weiter. Politik, Weltwirtschaft, alle bekommen ihr Fett weg. Ein Soundtrack für die unzufriedenen Massen, wenn es die auch scheinbar nicht gibt, einer unzufriedenen Jugend sollte es auf jeden Fall gefallen.

Meine Lieblingssongs des Albums bilden allerdings dann eher die melodiös und hymnisch gehaltenen Stücke. "The economy is suffering... let it die", "The gre(a)t depression" und "This is the first night" sind Tracks, die ich sehr weit oben auf meiner derzeitigen Favoritenliste habe. Vor allem "The economy" ist eine grandiose Abrechnung mit der derzeit auseinanderfliegenden Weltwirtschaft und stellt hervorragend die Frage nach dem Schuldigen. Dazu noch das wunderbare "When the cities burn down we'll all be warm" am Ende als eingestreutes "Fight Club"-Zitat. Ganz großes Kino!

In die gleiche Kerbe schlagen die bereits angesprochenen Songs, wobei ich gerade diese gewisse Romantik in "This is the first night" liebe. Supersong auf jeden Fall. Weiter kann ich nur "When all the lights go out" mit seinem Marx-Zitat "Proletarians of the world unite" empfehlen. Ein spitzen Stück Punkrock.

Insgesamt ist die Platte musikalisch sehr ausgewogen gehalten. Aggressive Stücke voller Hass, schöne Melodien, geniale Riffs und Breaks, da kann man auch über gewisse textliche Stereotypen, die zeitweise auftreten hinwegsehen, wie ich meine.

"The people or the gun" ist ein Album geworden, das nicht besser in diese Zeit hätte passen können. Eine musikalische Abrechnung, die auch Spaß macht, da die Stücke echt hochwertig sind. Musikalisch und produktionstechnisch. Das Ding ist für mich auf jeden Fall Kandidat für meine Platte des Jahres und ich hoffe, dass Justin Sane seine "Androhung" wahr macht: "These songs are just the beginning...".

Autor: Jöran Kuschel

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