The Levellers - Letters From The Underground

The Levellers - Letters From The Underground

Mit "Letters from the Underground" bringen die englischen Folk-Punk-Rocker nach 4 Jahren songschreiberischer Enthaltsamkeit wieder ein neues Album heraus. Und was für Eins! "Briefe aus dem Untergrund", was für ein treffender Titel. Ich fühle mich ein schlagartig an den Beginn der 90er zurückversetzt.

waren gerade in England Vorband einer gewissen und ein Freund (Danke Stefan) brachte eine Maxi namens „Carry Me“ von dort mit. Meine noch schlummernde Hitchhiker-Seele erwachte und von da an verging kein Monat, auf dem ich nicht irgendwo in Europa ein Levellers-Gig gesehen hatte. Texte, Musik und die Crusty-Atmosphäre, die von diese Band ausgingen, trafen bei mir ins Schwarze. Diese Anfangseuphorie ging dann leider irgendwann verloren. Die Alben wurden mir ein wenig zu Poppig, Texte langweilten und irgendwie war mir das immer zu glatt und zu sauber.

Aber jetzt halte ich hier eine Levellers-CD in der Hand und glaub's kaum, sie können es ja doch noch, ... folkiger Punk-Rock. Ich hatte mich schon gewundert, dass in Zeiten in denen bei den und die Hallen überquellen, kaum ein Mensch an die Band aus Brighton denkt, die dieses Musikgenre schon besetzt hielt, als einige DM und FM Fans noch zur Grundschule gingen. Ich fühle mich direkt in die alte Zeiten zurückversetzt, und das meine ich absolut positiv. Mark Chadwicks Stimme kommt wieder dreckiger rüber und Simon Friends Stimme ist sowieso die Folk-Stimme überhaupt, dreckig, energetisch und authentisch. Die Produktion ist größten Teils solide, ungekünstelt und ohne viel Schnick Schnack, im Prinzip könnte sich ein Gig live genauso anhören, so gefällt's!

Bei den Lyrics hat man auch mal wider die Augen aufgemacht und gesehen, was im Land so los ist. Da werden Ungerechtigkeit gesehen und textlich thematisiert. Aber nicht selbstherrlich, wie so manche Pseudo-Gutmenschen, sondern einfach als Kommentatoren, so wie es jeder empfinden könnte, wenn er sich die Auswirkungen einer Gesellschaft betrachtet, die auf dem Prinzip der Gier beruht. Ich merk schon, the Levellers stecken an ;-).

Also lieber mal zu dem einen oder anderen Songs: Als Starter hat man sich The Cholera Well gewählt, ein Stück mit viel Speed, quasi Speed-Fidel-Folk-Rock. Bei Death Loves Youth wird dann erstmal kurz auf die Bremse getreten und der Tod eines Freundes musikalisch verarbeitet. Schön träge und mit Marks Gesang der ordentlich Whisky geschwängert auf die Tränendrüse drückt.

Nach einigen Up-Tempo-Stücken wie Eyes Wide oder Burn Amerika, Burn fällt dann plötzlich das Stück Behold a Pale Rider auf. Eigentlich ein typischer Folk-Song von Simon, wie solche, die es früher ab und an auf die B-Seiten der Singles oder den Fan-Club-Releases der Band schafften. Wenn ich nachdenke, sind es genau diese Songs, die ich auf den letzten Veröffentlichungen der Engländer vermisst hatte. Ehrlicher Folk, tolle raue Stimme und mit kleiner Instrumentierung. Danach wieder drei schnelle Stücke, A Life Less Ordinary, Accidental Anarchist und Duty

Mein absolutes Highlight der Platte kommt allerdings erst zum Schluss Fight or Flight, der dritte Song bei dem Simon ans Mikro darf. Ein Song ganz in der Tradition von "The Battle of the Beanfield", langsamer Beginn, minimale musikalische Untermalung durch Keyboard und Geige, und dann "hört" man plötzlich Jeremy Cunningham durchs Bild springen, den Bass bearbeitend seine Dreads schwingen und ab geht's. Punk-Rock!

Fazit: Auch, wenn ich hier ein wenig in der Vergangenheit schwelge, "Letters from the Underground" ist einer der besten CDs, die die Jungs aus Brighton je produziert haben, wenn nicht sogar besser als die "guten alten" Levellers aus den Neunzigern. Da hat Jeremy seine Vorstellungen zum Album aus dem letzten Jahr wohl durchsetzten können.

Ein bisschen Kritik habe ich aber trotz meiner Überschwänglichkeit, manchmal ist mir die Instrumentierung immer noch zu durcheinander und zu überproduziert. Geige, Mandoline, Keyboard und Gitarre alle mit irgendeiner Melodie. Ein bisschen differenzierter ist's mir da schon lieber. Aber zum Glück kommt das auf dieser Scheibe wirklich seltener vor als auf den Letzteren.

Lust auf ein Levellers-Live-Erlebnis: 13.11.2008 The Levellers, Support: The Jinx, Hannover, Musikzentrum

Autor: Frank Reins

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