Drei Bands - drei mal feinste Rock-Musik

Clutch, Planet of Zeus und Hong Faux in Kölner Essigfabrik

Konzertbericht: Clutch - Köln, Essigfabrik, 28.11.2015

Ein ganz besonderen Leckerbissen gab es in der restlos ausverkauften Kölner Essigfabrik. Das Clutch die Hütte rocken würden war ja klar, aber diesmal hatten auch die Vorbands ordentlich etwas auf dem Kasten. Nach zwei Interviews mit Jean-Paul Gester (Clutch) und Niklas Seren (Hong Faux) waren wir gespannt, wie sich die Bands auf der Bühne schlagen würden.

Den Starter machten aus Schweden. Die Jungs überzeugten mit Ihrem Stoner-Blues-Rock durchsetzt mit feinen Melodien und eingängigen Riffs. Die Essigfabrik war von Beginn an sehr gut gefüllt, so dass auch der erste Support des Abends reichlich Resonanz beim Publikum finden konnte. Live kommen die Schweden etwas rockiger rüber als auf den Alben, was natürlich an so einem Abend von Vorteil ist. Wenn Niklas Seren und Co mal als Headliner in Deutschland unterwegs sind, werde ich mir auf jeden Fall eine volle Show anschauen.

Die Griechen kamen nach kurzer Umbaupause auf die Bühne und hauten mal so richtig Einen raus. Alter Schwede äh Grieche haben die Jungs ein Brett, eine echte Stoner-Walze. Nach ein bis zwei Songs hatten Babis Papanikolaou die Kölner Essigfabrik fest im Griff. Zu diesem Zeitpunkt war der Laden schon richtig voll und so konnte die Band mal so richtig zeigen, was sie drauf haben. Wo es der spärliche Platz erlaubte wurde gerockt und gemoscht und vor der Bühne ging's heftigst zur Sache. „When I say dance - you dance“, an Selbstbewußtsein mangelt es den Athenern auf jeden Fall nicht. Und was soll ich sagen? Sie können es sich leisten! Man, haben Planet of Zeus dem Publikum in den Arsch getreten. Leider ging der Auftritt viel zu schnell um.

So, jetzt aber . Mal sehen, ob die Band den Support toppen können. Da haben Neil Fallon und seine Band sich ja die Messlatte reichlich hoch gelegt. Los ging es schon fast traditionell mit Chuck Browns „We need some Money“ vom Band. Und dann sofort Volldampf mit „X-Ray Visions“ vom aktuellen Album. Also, Clutch hatten sich entschieden das Tempo und die Power von Planet of Zeus mitzugehen. Kaum waren die ersten Takte gespielt ging vor der Bühne die Post ab. Und das Publikum zeigte Ausdauer, denn erst nach 9 Songs gab es mit „Doom Saloon“ / „Our Lady of Electric Light“ die erste Verschnaufpause. Danach nahm Neil Fallon mit „Earth Rocker“ sofort wieder Fahrt auf. Während Neil und Jean-Paul wie immer den extrovertierten Teil der Band gaben, und was das Zeug hergab rockte, wirkten Dan und Tim eher introvertiert mit ihren Saiten beschäftigt. Manchmal könnte man glauben, die beiden hätten vergessen, dass sie nicht mehr im Proberaum stehen. Wenn man ein Neil Fallon hat, dann muss ein Frontman eben reichen. Vielleicht ein Grund dafür, dass die Jungs seit Jahren so gut harmonieren und dass die Zusammenarbeit der vier Maryland-Rockern so konstant ist.

Auch in der zweiten Konzerthälfte zeigten , dass sie 2015 einer der besten Live-Bands sind. Das Publikum geht bis in die hinteren Reihen ordentlich mit und schon während der letzten Songs ist der Merchstand heftig belagert. Mit „Son of Virginia“ kommt mein persönliches Album-Highlight fast zum Schluss, einfach ein geiler Song und fast eine ausreichende Entschädigung für das heute fehlende „Regulator“. Nach 16 Songs verlassen Neil, Tim, Dan und Jean-Paul die Bühne für ein kurzes Break. Die Zugabe „D.C. Soundattack“ wird anschließend ordentlich in die Länge gezogen und mit dem Rausschmeißer „The Mob Goes Wild“ nimmt ein grandioser Konzertabend einen würdigen Abschluss.

Fazit: sind da angekommen, wo sie hingehören. Ausverkaufte Konzerthallen in fast allen Städten, das erfolgreichste Album ihrer Karriere und ein super positives Presse-Echo. Kann also nur weiter nach oben gehen. und haben ihre Chance genutzt und sich einem breiten Publikum vorgestellt. Beide scheinen sich reichlich neue Fans erspielt zu haben.

Setlist Clutch:

  • X-Ray Visions
  • Firebirds!
  • Crucial Velocity
  • Burning Beard
  • Cyborg Bette
  • Unto the Breach
  • Sucker for the Witch
  • A Quick Death in Texas
  • Doom Saloon
  • Our Lady of Electric Light
  • Earth Rocker
  • Cypress Grove
  • Noble Savage
  • Your Love Is Incarceration
  • Son of Virginia
  • Gravel Road
  • ================
  • D.C. Sound Attack!
  • The Mob Goes Wild

Autor: Frank Reins

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