Mr. Irish Bastard (Mr. Irish Bastard) - 16.04.2010

Pünktlich eine Woche vor dem offiziellen Release des zweiten Longplayers "A Fistful of Dirt" der Münsteraner Folk-Punks von Mr. Irish Bastard, ergab sich in der Essener Zeche Carl mal wieder die Möglichkeit zu einem Interview mit den Herren und Damen. Also Sachen gepackt und auf zu einer netten Plauderei bei Bier und Eierlikör.

Es wurde sehr spaßig, wie zu erwarten war, und auch ein sehr langes Interview, weshalb hier nun zunächst der erste Teil des Ergebnisses kommt. Vornehmlich über die neue Platte. Teil 2 mit weiteren Plänen der Band und ihren Tour-Erlebnissen in Japan folgt dann in Kürze.

Jöran: Nachdem ihr jetzt die ersten Konzerte mit den neuen Songs gespielt habt, zunächst mal die Frage: Wie kommen die Songs bei den Fans an?

The Irish Bastard: Echt erstaunlich gut. Wir haben ja die ersten Proben in Japan gemacht, die Songs also erstmal vor japanischem Publikum getestet. Das kam da auch erstaunlich gut an. DIe mochten das sehr und haben gefeiert und getanzt. Ja, und hier kommen die auch gut an. Wir haben jetzt schon ein paar Konzerte gespielt.

Moe Leicester: Gerade in der Schweiz kamen die tierisch gut an.

The Irish Bastard: Ja, in der Schweiz und in Stuttgart auch. Vor 167 zahlenden Zuschauern, alle ausgerastet. Ein großer Abend im Zwölfzehn, was relativ klein ist. Ja, kam gut an. Von daher alles gut.

Jöran: Bisher kam die Platte ja auch bei Kritikern gut an. Wie stolz ist man da eigentlich? Oder sagt man: Ja gut, Kritiker...

The Irish Bastard: Nee, Kritiker sind natürlich ganz ganz wichtig. Es ist ja auch noch nicht aller Tage Abend, da die Platte ja noch nicht raus ist, da kommen dann noch mehr Kritiken, aber von dem, was wir bisher gehört haben, war alles sehr sehr gut. Da sind wir natürlich auch sehr stolz drauf. Da ist natürlich immer so ein gewisser Angstmoment dabei, weil wir es diesmal ja auch ein bisschen anders gemacht haben. Dann ist es eben immer so unter dem Motto: "Oh mein Gott, werden die Leute es mögen oder uns in der Luft zerreissen?" Da bist du quasi völlig blind und weißt nicht, was passiert. Bisher war aber alles super.

Boeuf Strongenuff: Wenn das Rock Hard 9 von 10 Punkten gibt, dann sind wir froh, dass es nicht 10 von 10 sind. Dann müssten wir aufhören.

The Irish Bastard: Aber die Men's Health hat abgelehnt es zu besprechen...

Boeuf Strongenuff: Das hätte mich sehr interessiert! Kann man dazu Aerobic machen...

Jöran: Du sagtest gerade, ihr habt es diesmal anders gemacht. Inwiefern anders?

The Irish Bastard: Wir haben diesmal mehr Kontrolle gehabt über das, was wir machen. WIr haben selber gemischt, selber produziert, also Gran E. hat produziert. Und ich glaube wir waren diesmal bei Aufnahmeprozess enger zusammen als beim letzten mal Wir haben die Songs ja jetzt das Jahr über, während wir auf Tour waren, geschrieben. Dann war relativ klar, was jetzt gemacht werden muss. Wir haben die Sachen dann sozusagen einstudiert und uns war relativ klar, wo es jetzt hingehen soll. Es war eben nur die Frage wie bekommen wir den Sound hin, was wollen wir vorne haben, was ein bisschen weiter hinten? Das musste ein bisschen diskutiert werden. Grundsätzlich waren die Songs eigentlich schon fest, bevor wir ins Studio gegangen sind. Wir waren relativ gut eingespielt durch die ganzen Live-Sachen. Es war sehr harmonisch, wir waren alle gut drauf. Es war sehr angenehm.

Boeuf Strongenuff: Ich finde auch, dass es diesmal deutlich musikalischer geworden ist. Nicht so ein Gerumpel wie beim letzten Mal. Vor allem auch sound-mäßig. Beim letzten Mal wurde sehr viel rumgeschrien, diesmal wurde mehr gesungen.

The Irish Bastard: Das war ja auch ein bisschen so die Herausforderung. Was machen wir jetzt als nächstes.

Boeuf Strongenuff: Da könnte man schon sagen, dass es ein Unterschied ist. Es ist eben ein bisschen musikalischer.

The Irish Bastard: Ich denke auch, dass wir uns den Freiraum gelassen haben ein wenig musikalischer zu werden. Ein wenig mehr das spielerische nach voren zu stellen, da wir auch gesehen haben, was wir können. Das wollten wir auch auf Band haben.

Jöran: Ihr habt euch diesmal mit den 2 Jahren für eure Verhältnisse doch recht viel Zeit gelassen. Ist das bewusst so gewesen oder kam das durch andere Verpflichtungen, wie zum Beispiel Touren?

The Irish Bastard: Ich glaub es kam so der Zeitpunkt, wo einfach das Gefühl da war, es wäre Zeit für ein neues Album. Es standen dann auch einfach die Sachen, die wir machen wollten, wir haben noch ein paar Sachen dazu gemacht. Aber eigentlich war klar, dass jetzt auch der Zeitpunkt gekommen ist, an dem man sagen kann, dass wir was rausbringen, was gut ist.

Jöran: Gerade der Zeitraum war ja auch recht lang. "Skin & Bones" habt ihr letztes Jahr in Aachen ja schon angetestet.

Gran E. Smith: Nee, Hannover.

Boeuf Strongenuff: Ja, der Song war recht schnell fertig. Der Rest kam aber deutlich später.

The Irish Bastard: Ja, aber es stimmt schon. Erst kam "Skin & Bones", dann entstand "Bite the Dust". Die Sachen entstanden so nach und nach. Dann haben wir die eben auch schon früher aufgenommen wegen Sachen, die rauswollten. Wir haben uns ja auch 2006 erst gegründet. Haben wir uns da soviel Zeit gelassen mit dem zweiten Album und einer EP davor? Geht so.

Moe Leicester: Die Zeit verging ja auch wie im Flug durch die sehr sehr vielen Konzerte. Ich zum Beispiel habt diese 2 Jahre gar nicht als so lange Zeit wahrgenommen. Ich weiß nicht, wie es euch da geht.

The Irish Bastard: Nee.

Boeuf Strongenuff: Es ist aber auch angenehm zu sagen: "Wir nehmen uns die Zeit bis die Songs fertig sind" und müssen nicht irgendein Album rausbringen, wo die Songs eben nicht so gut sind. Es ist fertig, wenn es fertig ist.

The Irish Bastard: Wir haben eben sehr viel Hoheit über das, was wir machen. Und die Entscheidungen treffen wir dann aus dem Bauch heraus. Jetzt ist es Zeit...

Jöran: Und wie habt ihr generell produziert? Habt ihr das klassisch gemacht, also erst geschrieben und dann 3 Wochen ins Studio?

The Irish Bastard: Nee, so sukzessive wie wir es immer machen. Die Songs werden aufgenommen und an alle verteilt. Dann brutzeln sie ne Weile, dann treffen wir uns, dann spielen ir ne Weile rum. Irgendwann gehen wir dann ins Studio, meist Schlagzeug und Bass erst. Wir haben da ein Studio in Münster, wo wir immer hingehen. Und dann ensteht das alles sehr sukzessive, sehr entspannt.

Jöran: Gran E., Du hast ja gemischt. Inwiefern war es viel Arbeit oder schwere Arbeit?

Gran E. Smith: Es war keine schwere Arbeit, es war unendlich viel Arbeit, denn jeder geht ins Studio, nimmt mehrere Takes auf, außer Leute wie Herr Strongenuff und Herr K'Nivo, die machen das vielleicht mal beim zweiten Mal und dann ist gut. Dann werden mehrere Takes genommen, ist ja kein Geheimnis, das macht jeder so. Und dann bastelt man ein Best-Of aus jeder individuellen Spur zusammen und bei 8 Musikern sind das unheimlich viele Spuren (Lachen). Das ist unfassbar...

The Irish Bastard: Gran E. Smith war nicht zu beneiden...

Gran E. Smith: Es hat aber auch phantastischen Spaß gemacht, denn mit jedem Schritt, den man tut, merkt man, wie das Gesamtwerk besser wird. Von daher ist jede Sache, die man macht ein Erfolgserlebnis. Manchmal auch nicht, dann muss man das halt nochmal machen. Eine wahnsinnige Arbeit. Am Ende waren es dann 600 Spuren bie 8 Leuten, 14 Songs mit Backgroundgesängen. Es war purer Wahnsinn, aber irgendwann war es dann auch fertig.

Boeuf Strongenuff: Wieviel Gigabyte waren es nochmal genau?

Gran E. Smith: Ich sag das normalerweise ja immer gerne in Megabyte, dann sind es nämlich 150000 Megabyte, die wir an Daten generiert haben. Daraus haben wir dann, ich glaube, 12000 Megabyte zusammengeschnippelt, was dann am Ende das Album wurde.

Moe Leicester: Ich glaube, die meisten Spuren sind auch in den Songs gelandet, in die sie rein sollten.

Gran E. Smith: Ja, jaja (Lachen).

Jöran: Inwiefern habt ihr Songs hintenrüberfallen lassen? Oder sind das jetzt wirklich die Songs, die geschrieben wurden und anderes Material gibt es nicht?

The Irish Bastard: Wir haben so 3 Songs hintenrüberfallen lassen.

Boeuf Strongenuff: Echt? Was denn?

The Irish Bastard: "End of the World"...

Gran E. Smith: Nee, das ist auf der Platte... (Lachen)

The Irish Bastard: "Moving on"...

Gran E. Smith: "All the time in the world"

Boeuf Strongenuff: Ja, sehr schade übrigens...

Gran E. Smith: Naja, kommt aufs nächste Album.

Boeuf Strongenuff: "Moving on" haben wir doch nie gespielt. Das kenn ich gar nicht...

The Irish Bastard: Generell ist es aber so, dass wir das meiste auch aufs Album gebracht haben.

Gran E. Smith: Wenn man an irgendetwas zu lange rumdoktorn muss, ist da sowieso irgendwas nicht in Ordnung.

Jöran: Man musste also nicht kämpfen: Der Song schaffts, der Songs schaffts nicht.

Gran E. Smith: Nein (gerülpst).

Jöran: Es gibt ja auch wieder 1-2 Cover auf dem Album. Wie habt ihr die ausgewählt? Abgesehn von "Spin me round" geht es ja schon eher in die traditionelle Ecke. Es sind jetzt nicht die abgedroschenen "Fields of Athenry" oder so, aber schon...

The Irish Bastard: Das ist eigentlich auf meinem Mist gewachsen. "Isn't it grand, Boys!" kenn ich so aus meiner Kindheit, das fand ich immer geil. Und auch "Second World Song", da war ich auf dem Konzert der Dubliners in Münster, was aber auch schon Äonen her ist. Von dieser Tour hatte ich dann auch ne Platte, auf der ich die Unterschriften von allen hatte. Das blieb mir irgendwie so im Gedächtnis. Das sind so Sachen, die ich machen wollten, eben auch, weil es nicht "Fields of Athenry" ist, sonder weil sie schön und obskur sind. Das war eben so, wie obskur kann es sein, dass es dann trotzdem gut ist.

Boeuf Strongenuff: "Isn't it grand, Boys!" ist ja auch eigentlich im 3/4-Takt, wir haben das aber nicht ans rocken bekommen. "Das muss doch einfach irgendwie stumpf durchzukloppen sein..." (Lachen) Dann haben wir das gemacht und auf einmal machte das auch alles wesentlich mehr Sinn...

The Irish Bastard: Das war das Stück, wo anfangs alle gedacht haben: "Ey, das ist 3/4, das wird niemals funktionieren!" "Na, sicher, dann gibt man mal Kette und guckt, was passiert...." (Zu Gran E.) Ich weiß gar nicht, ob Du bei der Probe dabei warst. Du kamst dann rein: "Ach Du Scheiße, ihr habt 3/4 ans rcoken gekriegt."

Gran E. Smith: Das war schon erstaunlich.

The Irish Bastard: Wir haben da ein bisschen Arsch noch reingedreht.

Gran E. Smith: Ich glaub es ging darum "Isn't it gradn, Boys!" traditionell zu machen und "Second World Song" zu ner Punkversion. Am Ende ist es genau andersrum geworden.

The Irish Bastard: Von "Isn't it grand" gab es dann auch verschiedene Versionen mit unterschiedlichen Finessen. WIr haben es dann aber sehr straight gemacht.

Jöran: Zum textlichen Aspekt. Ich fand das Album ein bisschen dunkler als den Vorgänger. Es geht viel um Tod, Einsamkeit und so.

Lady Lily: Armer Chris...

Jöran: Ja, wirklich...

The Irish Bastard: Ich fand das immer die bewegendsten Themen. Die bewegendsten Themen sind eben immer die, die sehr dunkel sind. Wenn man über Themen schreibt, haben gerade dunkle Themen so eine gewisse Wertigkeit, weil die mit Leuten räsonieren, die verstehen, worum es da geht. Es war nicht bewusst so gewählt, aber es kann so sein, dass es die dunkeln Themen sind, die mich anziehen. Ist eben so das Geschmäckle, was ich immer bei Songs mag. Ich mag es, wenn da so ein Dreh drin ist bei den Texten, dass es zwar heavy wirkt, aber immer auch ein Dreh drin ist, der völlig tragisch ist.

Jöran: Dann direkt hinterher die Frage, wieviel von Dir selbst in diesen Texten ist? Oder blendest Du das beim Schreiben völlig aus?

The Irish Bastard: Da ist relativ viel von Dir drin. Du gibst ja immer ein bisschen von Dir selbst preis, wenn Du schreibst. Es ist ja kein Musical über Katzen oder Rollstuh... nee, Rollschuhfahren, oder über Haare (Gelächter). Von daher haben Texte ne Grundschwere und es ist immer sehr persönlich und immer eine Abwägungssache, wieviel Du preisgeben willst.

Boeuf Strongenuff: Trauriger, alter Mann...

The Irish Bastard: Jaja...

Jöran: Ihr habt jetzt zum ersten Mal ein Video produziert. Wie kam es dazu?

Lady Lily: Wollten wir ja schon lange machen.

The Irish Bastard: Ich glaube Itchy hatte die Idee...

Itchy Quetchy: Nee, Herr Strongenuff...

Boeuf Strongenuff: Ich hatte die Idee? Toll! (Lachen) Ja, wir wollten sowas immer mal machen und da hatte Itchy ein paar Freunde, die sowas auch umsetzen können. Und dann...

Itchy Quetchy: Ja, der war zufälligerweise auch ein Fan der Band und meinte, er würde das gerne machen. Da hab ich gesagt: "Ja los Junge, ich helf Dir auch." Dann haben wir uns zusammengesetzt, ein bisschen kreatives Brainstorming gemacht, Storyboard... Wie das so sein muss. Und dann kam ja der Dreh.

The Irish Bastard: Ja, es war sehr spannend. Es war ja nicht unser Element, wir waren da ja nicht zu Hause...

Itchy Quetchy: Doch... Du hast das top gemacht.

Jöran: Jetzt weiß ich immerhin, dass es bei Dir zu Hause so aussieht wie bei mir... (Lachen)

The Irish Bastard: Das ist lustig...

Boeuf Strongenuff: Oder sehr sehr traurig...

Itchy Quetchy: Peinlich, dass jetzt alle meinen, das wäre Deine Wohnung gewesen...

Jöran: Dann wäre die Frage des Produzentn ja auch schon geklärt.

Itchy Quetchy: Ja, David wars.

Jöran: Wie war eigentlich Japan?

Gran E. Smith: Voll weit weg...

The Irish Bastard: Alles was Du über Japan weißt, kannst Du vergessen. Alles Quatsch! Es war großartig! Es war sehr augenöffend. Alles sehr super. Wir hatten das Privileg, dass wir mit Leuten unterwegs waren, die auf uns aufgepasst haben. Die haben so ziemlich alles manövriert. Aber ich glaube, wenn Du alleine da bist und die Sprache nicht sprichst, dann wirds echt kniffelig. Wir waren ja eh nur in der Subkultur unterwegs, in der du dann voll aufgingst, es war alles easy. Morgens in den Bus gestiegen, Abends irgendwo angekommen und dann das übliche Programm gemacht. Aber es war großartig.

Boeuf Strongenuff: Schwierig ist eben, dass die kaum Englisch sprechen. Also der Mann von unserer Plattenfirma, der uns rumgefahren hat, der konnte Englisch, aber bei allen anderen wären wir total aufgeschmissen gewesen.

The Irish Bastard: Ich musste 5 Minuten mit Sotas Frau reden, bis ich herausgefunden habe, dass die Frage war "Magst Du Kartoffeln?". Es war ein langer, zäher Weg dahin, bis sich herausgestellt hat, dass es um Kartoffeln ging. Ich war dann von der Frage auch so erschöpft, dass es egal war.

Gran E. Smith: Magst Du denn Kartoffeln?

The Irish Bastard: Ja. Aber es war ein langer, zäher Weg dahin.

Boeuf Strongenuff: Ansonsten war es eben total irre. Wir waren noch nie in Japan, 12.000 Kilometer von zu Hause entfernt und werden auf der Straße erkannt und um Autogramme gebeten.

The Irish Bastard: Als wir aus dem Bus gestiegen sind, mussten wir Autogramme geben und dann haben wir in Nagoya bei Tower Records, in nem Plattenladen gespielt, was sehr groß war. Da hingen dann Banner von der Decke mit uns drauf. Und da waren dann Leute, die Autogramme wollten, weil wir so ne In-Store-Session gespielt haben. Da musste man sich schon relativ viel kneifen, bis man wieder drauf klar kam. So unter dem Motto: "Ich bin jetzt gerade in Nagoya und die Leute haben meine Platte in der Hand und wollen meine Unterschrift? Mein Gott..."

Jöran: Wie kommt das denn, dass ihr gerade in Ostasien so beliebt seid? Letztes Jahr China, dieses Jahr Japan. Sind ja nicht gerade kleine Märkte. Gibts da überhaupt ne Erklärung für?

Boeuf Strongenuff: Ich weiß nicht, ob es jetzt gerade wir sind, diese irische Volksmusik scheint de ziemlich viel Zulauf zu haben.

The Irish Bastard: Ich meine, wir sind ja von den Plattenfirmen angesprochen worden. Planetopia hat uns angesprochen, Uncle Owen hat uns angesprochen. Die haben uns beide gefragt, ob wir rüberkommen wollen und wir haben gesagt: "Selbstverständlich." Dann haben wir alle mit nem zwinkern gesagt: "Jaja, fahren wir nach China." Und dann plötzlich fandest du dich in Shanghai wieder und dann saßen wir in Tokyo am Flughafen, waren aber zuerst in Peking am Flughafen gestrandet, dieses Mal. Scheißegal, dann haben wir uns ne Flasche Wodka gekauft, Absolut Lemon, haben die im Luggage-Bereich geleert, sind dann mit dem Bus zum Hotel in Peking gefahren, haben unsere Sachen abgegeben und sind saufen gegangen als wenn es nichts wäre.

Boeuf Strongenuff: Das tolle ist ja, Peking kennen wir doch, pass auf, wir gehen da und da hin. (Lachen) Lass uns mal die anrufen... Wir kennen da ja die Leute von Gumbleed. "Du, ich bin in der Stadt..."

The Irish Bastard: Wir verkaufen ja relativ viele Platten in Japan und da war es auch unserem Label wichtig, dass wir mal auftauchen. Es war aber nach wie vor tierisch unrealistisch.

Boeuf Strongenuff: Was man ja nicht glauben kann, ist, dass diese Japaner, wo ich mir eingebildet hätte, dass die extrem defensiv und schüchtern sind, so extrem abgehen. Ab 18 Uhr reißen die sich die Klamotten vom Leib und drehen total durch. Aber im positiven Sinne.

The Irish Bastard: Und die Chinesen auch. Die sind sehr italienisch, können aufbrausend sein, streiten sich gerne, sind laut.

Boeuf Strongenuff: Aber total positiv dabei.

The Irish Bastard: Jaja, aber wen du wem doof kommst, wirst du auch angeschnauzt.

Boeuf Strongenuff: Ich hätte nie gedacht, dass die so ein Temperament haben.

The Irish Bastard: Wenn wir im Zug saßen haben die auch immer sehr neugierig in unsere Laptops reingeguckt. Und das war in Japan ja auch so. Sehr nett, sehr aufgeschlossen, man war aber auch eben nur in dieser Subkultur unterwegs. Es ist natürlich sehr geil, dass es diese Irish.Community überall gibt, vor allem in Japan gibt es ne sehr große Szene. Man kommt da einfach rein, man passte auf uns auf und gab uns regelmäßig Alkohol. Was will man mehr? Ich fühlte mich wie ein Hamster.

Jöran: Und welches Land kommt als nächstes?

The Irish Bastard: Als nächstes wäre natürlich USA toll. Im Augenblick verhandeln wir aber über Konzerte in Ungarn und Moskau und St. Petersburg, glaub ich. Es gibt eben verschiedene Möglichkeiten mal ins Ausland zu fliegen und da wir gerade alle neue Pässe haben ist das toll.

Boeuf Strongenuff: Nach Holland fahren wir auch wieder.

The Irish Bastard: Und Östereich und die Schweiz sind auch wieder geplant.

Jöran: Ihr seid ja quasi jedes Wochenende unterwegs. Nervt das nicht irgendwann? Immer wieder die gleichen Nasen?

The Irish Bastard: Das ist wirklich erstaunlich, wie wenig Reibungsfläche wir haben. Wir haben alle die gleichen Interessen. Es ist einfach erstaunlich, wir sind einfach gerne unterwegs und ich wüsste nicht, dass wir uns mal groß gestritten haben.

Boeuf Strongenuff: Morgens wenns los geht denk ich mir immer: "Schon wieder mit der Kapelle los???" Aber sobald ich die Affen dann sehe... (Lachen)

Itchy Quetchy: Bei mir ist das genau umgekehrt. Morgens freu ich mich immer...

The Irish Bastard: Es macht es sehr viel leichter.

Boeuf Strongenuff: Wenn du sowas mit Arschlöchern machen müsstest, könntest du direkt einpacken.

Moe Leicester: Das funktioniert echt nur, wenn du ne gute Mannschaft wie diese hier hast. Sonst kann man das direkt vergessen.

The Irish Bastard: Ich meine neben all dem Spaß müssen wir natürlich schon Opfer im Privatleben bringen. Es ist schon ein Preis, den wir das zahlen. Das ist schon ein Thema. Aber du gibst eben ein bisschen was auf und bekommst wahnsinnig viel zurück.

Jöran: Es wäre demnach auch nicht der Plan, das in Zukunft zu ändern. Also ne 3-4 Wochen Tour im Jahr und den Rest Pause zu machen?

The Irish Bastard: Ich wüsste nicht, wer uns am Montag oder Dienstag auf Tour sehen will. Ich möchte am Montag oder Dienstag auch niemanden sehen. (Lachen) Von denen... Ich möchte am Liebsten nur Freitags und Samstags lauter Besoffene sehen. Neben der Band natürlich...

Jöran: Ihr wohnt jetzt aber alle wieder in Münster...

The Irish Bastard: Ja, außer Itchy.

Jöran: Inwiefern hilft das auch für die Band? Oder hat sich da nichts geändert?

The Irish Bastard: Es ändert sich erstaunlich wenig, da wir uns unter der Woche kaum sehen...

Moe Leicester: ...trotzdem nicht proben...

The Irish Bastard: ...uns keine Liebes-SMS schreiben unter der Woche und uns auch nicht sehen. Es ist für mich persönlich weniger Stress. Wenn ich jetzt aus der Schweiz angetuckert komme, vollkommen geschreddert, muss ich jetzt nicht mehr 2 Stunden nach Düsseldorf gondeln. Aber es macht natürlich bei den Aufnahmen vieles leichter. Dann geht jeder, wie er Bock hat ins Studio. Das ist dann eben viel einfacher .Es ist aber definitiv nicht so, dass wir nach nem Wochenende mit Konzerten am Montag noch schön Kegeln gehen.

Moe Leicester: Man muss ja auch immer aufpassen, in welche Kneipen man geht, damit man sich nicht sieht.

The Irish Bastard: Jaja, genau. Ich geh ja in Münster nie in den Hot Jazz Club, da hängt Moe ja immer rum. Deswegen geh ich meistens in ne Bahnhofsspelunke.

Gran E. Smith: Aber da hängt doch meistens Lily rum... (Lachen) Haben wir eigentlich jemals erzählt, wie wir uns kennengelernt haben?

The Irish Bastard: Ich wollte ja eigentlich immer erzählen, dass ich Pornos synchronisiert hab und Boeuff da Bass gespielt hat...

Boeuf Strongenuff: Bass spielen bei Pornos???

The Irish Bastard: Hast Du noch nie Pornos gesehen?

Boeuf Strongenuff: Da ist soviel Bass drin?

Moe Leicester: Also ich seh die immer nur auf kleinen Laptops und bei den Boxen hör ich den Bass nicht...

Jöran: Hättet ihr eigentlich mal Lust ne Kollaboration zu machen?

The Irish Bastard: Immer. Ich hätte schon mal Lust was zum Beispiel mit Shane McGowan zu machen. Aber ich weiß gar nicht so genau. Wenn wir Konzerte alleine spielen, sind die Leute wegen uns da und auf uns eingeschwungen. Wenn wir jetzt mit anderen spielen, ist das vielleicht nicht so. Man fragt sich also, was es bringt, wenn wir jetzt für eine Zeile irgendwo mitsingen.

Jöran: Letztes Jahr habt ihr ja unglaublich viele Festivals gespielt. Steht da auch dieses Jahr wieder was an?

The Irish Bastard: Ich glaube letztes Jahr war es so, dass wir viele Konzert und Festivals gespielt haben, die groß waren, wo wir aber früh schon auf die Bühne mussten. Dieses Jahr werden es eher kleinere, wo wir spät dran sind. Das war auch eine Entscheidung unseres Bookers. Das heißt, es sind vielleicht nicht so spannende Namen wie letztes Jahr dabei, dafür aber mehr später am Abend, was uns sehr entgegen kommt. Es sind aber noch ein paar Sachen in der Pipeline. Jetzt ist der Sommer erstmal mit 12-13 Konzerten belegt

Lady Lily: Unter anderem ein Benefizkonzert in Bayern für die Afghanistan-Kinderhilfe.

Moe Leicester: Das ist eine sehr gute Sache.

Jöran: Gibt es da schon genaueres zu?

Lady Lily: Demnächst.

Jöran: So, letzte Frage: Was ist eigentlich mit dem Eierlikör? Das hat irgendwie abgenommen...

The Irish Bastard: Nee, das hat zugenommen...

Gran E. Smith: Das macht auch krank das Zeug...

The Irish Bastard: Es macht auch ganz furchtbare Sachen mit der Darmflora. Wir haben das lange gemacht, bis wir gemerkt haben, dass wir alle ganz furchtbare Probleme davon bekommen. Seitdem trinken wir mehr Whisky.

Boeuf Strongenuff: Das macht schlank...

Lady Lily: Es steht auch nicht mehr im Vertrag, aber die, die uns kennen, stellen uns immer noch welchen hin.

Jöran: Wenn ihr jetzt nicht noch irgendwelche Fragen an euch selber habt...

Boeuf Strongenuff: Doch. Macht es eigentlich einen Unterschied, die Platte mit richtigen Gitarristen aufgenommen zu haben? Früher haben wir das ja alles selber gemacht. Ist das jetzt ein deutlicher Unterschied oder ist das völlig egal?

The Irish Bastard: Mir ist das völlig egal. (Lachen) Nächste Frage? Nee, ist schon richtig. Es war schon sehr wichtig. Es war bei dieser Platte ja auch die Frage, wo die Gitarren hingehen. Was ist der Gitarrensound? Da war es natürlich toll, dass wir so begnadete Gitarristen haben, denen wir den Freiraum geben konnten.

Moe Leicester: Und dann die Spuren wieder löschen... (Lachen)

The Irish Bastard: Das gab dem ganzen dann auch wieder ne neue Farbe, weil wir nicht gesagt haben, wie es klingen sollte, sondern eher: Das sind die Sachen, nimm mal mit nach Hause, geh mal ins Studio und spiel das mal ein.

Jöran: Das bedeutet also, dass der Beitrag der Travelling Bastards zum Album schon relativ groß war?

The Irish Bastard: Ja, natürlich. Es war zwar so, dass wir den Songwriting-Prozess zu fünft gemacht haben. Ansonten wird das mit 7-8 Leuten auch zu schwierig. So war es eben am einfachsten. Aber der Beitrag der Travelling Bastards ist riesig und auch sehr wichtig, weil die immer ne andere Note mit reinbringen. Das hat dieses Album meiner Meinung nach sehr spannend gemacht.

Jöran: Und inwiefern hat sich Ivo als neuer Drummer auch eingebracht?

Ivo K'Nivo: Och, wir haben nur zusammen ein bisschen arrangiert.

The Irish Bastard: Hallo? Ich hab arrangiert...

Ivo K'Nivo: Also er kam mit der Idee...

Boeuf Strongenuff: ...und wir haben Musik draus gemacht.

The Irish Bastard: Nein, nein! Das ist doch völliger Quatsch! Ich habe fertige Songs abgeliefert! (Lachen)

Ivo K'Nivo: Ja, Chis war großartig, hat großartige Lieder geschrieben und wir sind alle sehr stolz drauf. Und haben auch zusammen arrangiert.

The Irish Bastard: Wenn die Dinger einigermaßen standen, haben wir halt alles reingeschmissen, was wir haben. Die Ideen kommen ganz klar von der ganzen Bandbreite an Instrumenten. Völlig klar.

Moe Leicester: Ich glaube auch nicht, dass der einzelne Instumentalist den Unterschied macht. Wenn Du nen guten Song hast, dann entwickelt der sich von selbst und jeder versucht für den Song zu spielen, um den Song wirken zu lassen.

Boeuf Strongenuff: Und das ist genau der Trick, wenn Du 8 Instrumente gleichtzeitig spielen hast, dann darf nicht jeder ein Solo ziehen, sondern muss gucken, was gut für den Song ist.

The Irish Bastard: Das kommt gerade auch uns entgegen. Wir haben eben keine 8 Egomanen...

Gran E. Smith: Nur einen... (Lachen)

Boeuf Strongenuff: Aber der kann nicht so gut spielen... (Lachen)

The Irish Bastard: Nee, wir ergänzen uns da auch sehr gut.

Boeuf Strongenuff: Aber es ist ja wirklich die erste Aufnahme mit Ivo und ich denke, dass das schon nen Unterschied macht.

Moe Leicester: Ja, er hat einen sehr prägnanten Stil.

Ivo K'Nivo: Aber vor allem haben wir in den letzten beiden Jahren so viel erlebt. Und das spiegelt sich auch auf der Platte wider.

The Irish Bastard: Ja, meine ganzen traurigen Nummern...

Ivo K'Nivo: Traurig oder nicht, aber End of the World zum Beispiel ist einfach mein Favorit. Wir saßen da in Shanghai am ersten Abend im leeren Club und plötzlich war Chris dabei, die Stimmung war ein bisschen melancholisch.

Boeuf Strongenuff: Es war großartig.

The Irish Bastard: Das ist aus nem Jam entstanden.

Jöran: Ja, die Nummer find ich auch echt grandios. Du hast ja eh so ein Talent für solche Nummern, siehe HAte & Loath und Killybegs.

The Irish Bastard: Das kam sehr spontan in einem kleinen Pub.

Ivo K'Nivo: Es hatte den ganzen Tag geregnet, wir waren total verloren, in Shanghai...

The Irish Bastard: Es gab kein Klo... Und auf einmal kam das. Wir spielten los, das Schlagzeug kam auf den Punkt und die Idee war geboren.

Moe Leicester: Dein Balladen-Talent zeigte sich ja auch damals schon, als Du Wind of Change geschrieben hast...

The Irish Bastard: Jaja, das hab ich aber...

Boeuf Strongenuff: ...Klaus Meine vorgespielt...

The Irish Bastard: Jaja, stimt. Ich sagte: Klaus, hör Dir das mal an, für meine Band ist das nicht gut genug...

Jöran: Und wie eure großen Vorbilder werdet ihr ja dann auch zunächst in Japan berühmt.

Boeuf Strongenuff: Wir hatten auch geplant eine "Live in Tokio" rauszubringen, aber die Aufnahmen sind nichts geworden. Aber die Stimmung war super. (Lachen)

Autor: Jöran Kuschel

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