Erik Ohlsson (Millencolin) - 04.05.2009

Schnell tippt Tourmanager Kimmo die Zahlenkombination in das Zahlenschloss des Nightliners ein und schon bin ich drin: Der Millencolin-Tourbus. Kurz vorgestellt und dann begann ein Gespräch über die Geheimnisse des "Machine 15"-Artworks, das Tourleben nach 17 Jahren Bandgeschichte und die Heimat Örebro.

Jöran: Okay, fangen wir an mit einer der Fragen, die euch zurzeit wahrscheinlich am häufigsten gestellt wird: Die Maschine ist hm, 17 jetzt. Läuft sie immer noch gut?

Erik: Ja, sie läuft richtig, richtig gut. Es ist ja mittlerweile die dritte Tour mit dem Album und natürlich ist die dritte Tour nicht mehr so gut wie die erste, aber diese hier scheint richtig gut zu werden.

Jöran: Als wir hier runter gefahren sind, haben wir uns gefragt, warum "Machine 15"? Das Album kam ja erst als ihr schon 16 ward.

Erik: Ja, aber wir haben schon früher mit der Produktion angefangen.

Jöran: Es hat also fast 2 Jahre gedauert?

Erik: Es waren glaub ich sogar fast 3 Jahre zwischen "Kingwood" und "Machine 15".

Jöran: Schreibt ihr also eigentlich die ganze Zeit an neuen Songs?

Foto: Millencolin

Erik: Nicht wirklich. Wir haben ja mit "Kingwood" auch fast 2 Jahre getourt und in der Zeit eigentlich keine Songs geschrieben. Danach, also nach ner Tour, brauchen wir immer so eine kleine Pause von der Band. Ich arbeite dann in meiner Design-Firma, Nicola hat sein Solo-Projekt, Matthias hat Franky Lee. Wir machen dann immer ein paar eigenen Dinge, um Millencolin erstmal aus dem System zu bekommen. Obwohl ich glaub ich da sofort angefangen habe an unserer neuen DVD zu arbeiten.

Jöran: Ist das für euch eigentlich wichtig, dass man sich nach ner Tour erst mal ein wenig voneinander entfernt?

Erik: Ja, schon. Wir hängen zwar immer noch miteinander ab, aber wenn wir direkt nach einer Tour mit Arbeiten an neuem Material anfangen würden, würde es wahrscheinlich genau gleich klingen. Es ist dann gut eine kleine Pause zu bekommen und neue Inspirationen von überall her zu sammeln. Dann bekommst Du wieder Lust ein neues Millencolin-Album zu machen. Es dauert eben ein bisschen. Und dann fängst Du an zu schreiben und zu proben, dann kommt das Aufnehmen, Mischen, Marketing. Das dauert dann auch noch einmal ein Jahr. Es ist sehr schwer. Wir würden auch gerne schneller releasen, aber da ist immer diese gewissen Zeitspanne, die man einplanen muss.

Jöran: Du bist ja der Designer der Band. War das schon immer so Dein Hobby?

Foto: Millencolin

Erik: Klar, meine Mutter malt sehr viel mit Öl. Damit bin ich eben aufgewachsen. Ich bin dann auch auf eine zwar normale, staatliche Schule gegangen, aber schon mit einem Kunstschwerpunkt. Also hab ich das eigentlich schon immer nebenher gemacht.

Jöran: Du hast auch das Design für "Machine 15" gemacht. Was war Deine Idee dahinter? Die große Dinosaurier-Maschine, hergestellt aus vielen Bildern aus der Vergangenheit, dem Vogel von Life on a Plate zum Beispiel.

Erik: Als wir den Titel hatten, hatte ich ziemlich direkt so eine Godzilla-ähnlich Kreatur im Sinn. Einen Dinosaurier-Roboter. Das kam mir sofort in den Sinn. Dann habe ich erst einmal 1-2 Wochen an einem Öl-Bild davon gemalt. Weißt Du, so eine Art Filmplakat. Aber dann dachte ich mir, das ist nicht das, wonach das Album klingt. Da dachte ich mir: Komm vergiss es, fang noch einmal an. Ich hatte noch irgendwie eine Woche bis zur Deadline und hatte totale Panik, aber dann dachte ich mir, lass uns den normalen Weg gehen, mit Photoshop und so. Dann habe ich das neue Logo auf Papier gezeichnet und in den Illustrator üertragen. Und "Machine 15" steht ja für die gut geschmierte Maschinerie von Millencolin. Da kam mir die Idee, dass ja das ganze Album mit seinen 15 Songs die ganze Maschine repräsentiert. Ich hatte also schon mal ein Konzept. Dann waren da die Idee, dass wir ganz oben stehen und dazu die ganze Transportsache, Busse, Flugzeuge, das Herz der Band. Und der Dinosaurier ist ja immer noch drin und guckt auf die Vergangenheit. Das waren so meine Ideen dabei.

Jöran: Ich hatte immer das Gefühl, dass im Design auch sehr viele Selbstzitate drin sind, vergleichbar mit "Brand New Game".

Erik: Ja, exakt.

Jöran: Was ist denn die Idee hinter "Brand New Game"?

Foto: Millencolin

Erik: Hm, es sind Nicolas Lyrics, aber ich weiß es nicht wirklich. Manchmal braucht man Themen um drüber zu schreiben. Auf 15 Jahre Karriere zurückzublicken und zu sagen, was damals war und wie es heute ist, ist ja schon ein interessantes Thema.

Jöran: Wie gefällt Dir denn das Touren nach so langer Zeit? Ist es noch genau so wie vor 10-15 Jahren?

Erik: Das hat sich natürlich sehr verändert. Als wir zum Beispiel das erste Mal in den Staaten waren, war das ganze noch ein großer Urlaub. Wir waren an allen Skate-Spots aus den Videos, weil wir damals ja noch sehr viel selbst geskatet sind. Und mittlerweile waren wir ungefähr 18 mal da, weshalb der Touri-Teil doch recht überschaubar geworden ist. Man hat ja alles schon zig Mal gesehen. Man spielt auch eigentlich immer in den gleichen Hallen. Die gesamte Idee, dass man als Tourist reist ist weg. Meine Freundin will immer mit mir in Urlaub fliegen und mir gehen Flugzeuge und Reisen auf den Keks. Ich liebe es einfach zu Hause zu sein, wenn ich die Zeit dazu habe. Das ist natürlich immer sehr hart für sie. Das ist das was sich verändert hat. Ich mag keine Flughäfen und Flüge mehr. Das ist für mich mittlerweile das langweiligste, was es gibt. Aber auf der Bühne zu stehen ist großartiger als je zuvor. Wir sind wesentlich besser als früher, ich habe eine wesentlich schönere Zeit auf der Bühne. Und das ist ja das wichtigste.

Jöran: Spielst Du denn immer noch gerne die alten Songs?

Foto: Millencolin

Erik: Ja, definitiv. Und auf dieser Tour macht es ganz gesonders Spaß. Am Freitag spielen wir noch eine Special-Show in unserer Heimatstadt. Da ist ein Club, der zu macht, der jetzt fast 10 Jahre alt ist und keinen weiteren Pachtvertrag bekommt, weshalb sie da raus müssen, aber keine neue Location gefunden haben. Es ist ein sehr trauriges Ding, aber wir werden jetzt die letzte Band sein, die auf dieser Bühne spielt., was wir noch nie gemacht haben, da es eigentlich zu klein für uns ist. Wir haben uns dann entschlossen, was besonderes draus zu machen und "Pennybridge Pioneers" vom ersten bis zum letzten Song zu spielen. Da sind dann ungefähr 6 Songs dabei, die wir eigentlich seit den Aufnahmen 1999 nicht mehr gespielt haben. Wir spielen die Lieder dann immer zur Probe beim Soundcheck und bauen sie manchmal in die Sets ein. Das macht sehr viel Spaß. Es macht immer noch Spaß Stücke wie zum Beispiel "Mr. Clean" zu spielen. Aber ich hab den Song vor soo vielen Jahren geschrieben und bestimmt über 2000 Mal gespielt.

Jöran: Und der nervt Dich immer noch nicht?

Erik: Nein, nerven tut er nicht. Es ist immer großartig ihn auf Konzerten zu spielen und zu sehen, wie das Publikum abgeht. Aber es ist definitiv nicht der Song den ich spielen würde, sobald ich mir eine Gitarre nehme.

Jöran: Du hast ja schon über Örebro gesprochen. Da gibt es ja jetzt einen Millencolin Music Prize. Kannst Du da was drüber erzählen?

Erik: Wo waren wir, ach ja, der Musikpreis. Die Stadt Örebro hat uns gesehen, als wir diese Riesenshow gemacht haben, die Monate vorher ausverkauft war. Das war eine wirklich großartige Show. Und der Stadtrat war dann da und total begeistert. Da kam dann die Idee, dass es sehr wichtig wäre einen großen Musikvertreter wie uns als Einwohner der Stadt zu haben. Deswegen wollten sie Menschen bei ihrem Einsatz für Entertainment unterstützen. Es ist keine reiner Preis für Musiker, er kann auch an zum Beispiel an einen Club oder so gehen. Das gibt dann einen Award von ich glaube 2500 Euro. Dazu kommt dann noch eine Award-Show, die Leute können in der Lokalzeitung Vorschläge für die Nomminierungen machen und wir wählen den dann aus.

Jöran: Ehrt euch das denn?

Erik: Ja, natürlich. Es ist ja das gleiche wie der Skateboarding-Contest, die Millencolin Open, die ich ausrichte. Das ist mittlerweile Schwedens größter Skate-Contest. Wenn ich das nicht jedes Jahr ausrichten würde, hätte unser lokaler Skatepark nicht die wirtschaftliche Kraft zu überleben. Und Skateboarding war ja das, was uns zusammengebracht hat. Deswegen möchte ich den Kids die Möglichkeit geben, sich in einem Indoor-Park zu treffen und vielleich auch ne Band zu gründen.

Jöran: Skatet ihr eigentlich noch selbst?

Erik: Ich auf jeden Fall. Matthias nur noch ein bisschen, Nicola und Larzon glaub ich kaum noch. Ich hab mir jetzt auch ne Ramp in den Garten gebaut, damit ich immer fahren kann, wenn ich will.

Jöran: Ich hab mal gelesen, dass Ihr alle Vegetarier seid.

Erik: Hm, das stimmt aber nicht mehr. Das liegt schon ein bisschen zurück. Larzon ist es immer noch, aber der Rest von uns isst wieder Fleisch. Ich hab glaub ich 2004 wieder angefangen. Ehrlich gesagt bevorzuge ich vegetarisches Essen, ich war ja 8 Jahre Vegetarier. Aber auf Tour ist es in den großen Restaurants auch doof immer nur Aubergine mit Couscous zu essen, wenn man vielleicht auch die Spezialität des Hauses bekommen kann. Ich mag auch Barbecue mit Fleisch. Ansonsten esse ich aber lieber vegetarisch.

Autor: Jöran Kuschel

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