Remco, Andries, Jasper (Circle J) - 13.03.2009

Tour mit den Murphys, Auftritte in Spanien sowie das Anwerben des wohl besten holländischen Akkordeonisten "Dutch Irish Bastard" – das sind die Erfolge von Circle J. Wir nutzen das Konzert von Circle J mit Mr. Irish Bastard in Arnheim um mit den fünf Jungs und eine Frau über Gründungsmythen und die weniger schönen Seiten Irlands zu reden.

Bob: Wir fangen Interviews immer damit an, dass die Band sich kurz selbst vorstellt. Also...

Andries: Die Band oder die Personen?

Bob: Am besten beide.

Remco: Okay, wir haben damals mit Jan, dem Gitarristen, Tomba, der Bassist und Sänger und mir, als Punkrock-Trio angefangen. Unser Stil war damals so Richtung NOFX. Dann sind wir immer mehr so in Richtung Flogging Molly gegangen und haben unsere erste EP "Lower your Standards" aufgenommen, was sehr wichtig für uns war.

Andries: Der schöne Teil der Story, der aber nicht so ganz wahr ist, dafür aber schön zu lesen ist, dass die drei zu einem Flogging Molly Konzert gegangen sind und von dem Moment an wussten: Scheiße, das ist genau das, was wir machen wollen.

Remco: Naja, das stimmt nicht so ganz...

Andries: Egal, es ist eine schöne Geschichte.

Bob: Okay, zurück zu den Anfängen der Band. Woher kommt der Name?

Remco: Oh ja, wir waren betrunken... Wir hatten damals großes Interesse an Snooker. Es ist also quasi eine Kombination des Anarcho-As und von Jimmy White, einer Snooker-Legende, der einen gewissen Hang zu Whiskey und anderen Drogen hatte. Und das haben wir dann zusammen gemixt.

Andries: Kokain und Whiskey???

Remco: Ja, dafür sind wir doch berühmt...

Bob: Also hat das keinen Zusammenhang mit den Circle Jerks?

Remco: Ja, das ist komplett falsch. Ich war glaub ich der einzige der die Band kannte.

Bob: Welche Bands sind denn dann eure Einflüsse, damals und heute?

Remco: Auf jeden Fall Bad Religion, NOFX und die alten englischen Punkbands. Wir haben damit ja angefangen, lauterem Punkrock. NOFX ist zwar nicht so laut, aber so der Style. Und dann kamen langsam die Irish Folk Einflüsse durch Flogging Molly...

Andries: Wie langsam? Ganz plötzlich...

Remco: Nee, ach ja, für die Story...

Jasper: Also, die Jungs waren mehr so die Punk-Hörer und wir eher so die Folk-Männer.

Andries: Ja, er ist mehr so der Folk-Musiker.

Jasper: Ich hab auch mal in einer Akkustik-Folk-Band gespielt, aber dann haben mich die Jungs hier gekidnapped...

Bob: Wie hieß die Band?

Jasper: Thirsty Dog.

Bob: Dann kenn ich ja schon die Antwort auf die nächste Frage... Welche Band hört ihr lieber? Flogging Molly oder Dropkick Murphys?

Remco: Also ich Flogging Molly.

Andries: Flogging Molly.

Jasper: Murphys. Ich mag den Gesang bei Flogging nicht. Die Stimme gefällt mir nicht.

Bob: Und wie stehts mit Street Dogs?

Andries: Oh, sehr gerne.

Bob: Dann freut ihr euch ja bestimmt, dass sie demnächst nach Europa kommen.

Andries: Für die würde ich ja gerne den Opener machen. Aber man hat viele Träume...

Bob: Seht ihr euch eher als Folk oder als Punk Band?

Remco: Also für mich persönlich geht es um Punk und der Folk ist eine nette Zugabe.

Andries: Punk.

Jasper: Punk.

Bob: Hab ihr eigentlich irgendwelche familiären Verbindungen nach Irland?

Andries: Nein, keiner. Wir lieben Guinness und die Musik, aber keiner von uns hat irisches Blut in sich.

Remco: Ich war aber mal 4 Tage im Urlaub da. In Dublin. Es war schrecklich...

Bob: Echt? Warum?

Remco: Es war furchtbar. Viel Gewalt auf der Straße, unfreundliche Leute. Außerhalb von Dublin war es super. Aber in Dublin...

Andries: Normalerweise stimme ich ihm ja nicht zu, aber hier muss ich das mal. Irland ist super, aber Dublin ist es nicht. Ich kenne auch Iren, die genau das sagen. Aus Dublin und von außerhalb...

Jasper: Niederländer hassen auch Amsterdam. Schreib das auf...

Bob: Und was denkt ihr, warum Folk und Punk sich so gut kombinieren lassen?

Andries: Also für mich liegt es an der Verbindung der Energie des Punk und der Melodie des Folk.

Remco: Und im mehr politischen Sinne ist es so, dass die Texte sich gut verbinden lassen. Die Texte sind sehr ähnlich. Die 70er-Anarcho-Punk-Texte und die alten Folk- und Protest-Songs.

Bob: Das beantwortet schon fast meine nächste Frage... Warum spielen Niederländer eigentlich Folk?

Remco: Naja, wir haben auch eine Folk-Tradition. Sogar mit ähnlichen Melodien und so. Aber da weß Andries mehr drüber... Es ist also dem Irischen Folk sehr ähnlich. Auch mit dem Dudelsack, wobei das ja eher schottisch ist.

Andries: Wenn man sich zum Beispiel mittelalterliche Gemälde von Bauernfesten anguckt, dann sieht man die gleichen Instrumente: Dudelsäcke, Flöten.

Bob: Was haltet ihr von Mittelalter-Bands wie Schandmaul oder In Extremo?

Jasper: In Extremo mag ich gerne.

Remco: Wie heißt denn noch mal die Band, deren Dudelsack wir als Intro nehmen wollten? Das sind auch Deutsche.

Andries: Ach, Faun...

Bob: Ach? Die magst Du auch?

Jasper: Oh ja, die sind gut. Wir haben mit meiner vorherigen Band oft mit ihnen zusammen gespielt. Auf vielen keltischen Festivals in den Niederlanden.

Bob: Andries, wie bist Du mit Circle J in Kontakt gekommen?

Jasper: Er war einfach immer da, wo wir gespielt haben... (Lachen)

Andries: Ich war ein Fan von ihnen und bin auf ein paar Konzerte gegangen. Und dann haben wir uns mal nach einem Konzert in Utrecht unterhalten. Danach haben sie sich mal Mr. Irish Bastard angeguckt, als wir in Doordrecht gespielt haben. Im Dezember hab ich ja dann mit den Mahones gespielt und bei einem Konzert in Den Bosch haben Circle J für die den Support gemacht, da haben wir uns wiedergesehen und die Jungs haben mich auf der Bühne gesehen. Da kann ich nicht so schlecht gewesen sein... Dann hab ich die Einladung bekommen mit ihnen zu spielen.

Bob: Bereust Du es nicht mehr bei den Bastards zu spielen?

Andries: Es war am Anfang auch sehr überraschend und hektisch mit den Bastards zu spielen. Ich hab nie in einer Band gespielt, ich war 49 Jahre alt, ich war bei der Arbeit und bekam eine Mail mit der Frage, ob ich mit auf Tour gehen wollte. Meine erste Reaktion war, und ich hatte die Mail schon verfasst, dass ich sehr dankbar für die Einladung wäre, aber ich bin ein alter Mann, der eine bisschen Akkordeon spielt aber nie in einer Band gespielt, daher kann ich das nicht annehmen. Und ich war kurz davor die Mail zu senden und dachte mir auf einmal: Warum eigentlich nicht? Und das nächste was ich weiß, nach drei Wochen üben zu Hause, ist, dass ich auf einer Nightliner-Tour mit Fiddler's Green und Blood or Whiskey quer durch Deutschlands große Hallen war. Das war mein Start, die Shamrock Clash Tour war mein Bühnen-Debut. Das Problem für mich ist, dass Mr. Irish Bastard so erfolgreich geworden sind und so oft spielen. Es kostet mich immerhin 3 Stunden, wenn ich zu ihnen fahre und noch länger, wenn ich zu einem Konzert fahren muss. Wenn es ein Konzert in Ost-Deutschland ist, auch wenn es Samstags Abends ist, wäre es für mich eine komplettes Reise-Wochenende. Das war eben zu viel. Ich habe eine Familie und einen Job, deswegen musste ich Goodbye sagen und in dieser Zeit kam die Einladung von Circle J, was die Entscheidung dann einfacher gemacht hat.

Jasper: Du hast Dich doch selbst eingeladen... (Lachen)

Bob: Ich hab gesehen, Du hast Deine Freundin dabei. Ist das jetzt besser, dass sie immer mitkommen kann?

Andries: Naja, sie kommt nicht immer mit. Das Warten ist dann doch zu viel. Aber sie ist ein großer Fan von Mr. Irish Bastard, den Mahones und Circle J. Und ich habe in wenigen Monaten mit allen drei zusammen gespielt. Ich denke, sie kann sich da nicht beschweren...

Bob: Also in den nächsten Jahren keine Geschenke mehr... Was würdest Du denn als die größten Unterschiede zwischen den Bands sehen?

Andries: Ich denke, da sind mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Die selbe Energie, die selbe Melodie, fast die gleichen Instrumente. Eine große Gruppe Leute, die vielleicht nicht alle Sandkasten-Freunde sind, aber zusammen viel Spaß haben und gerne miteinander touren. Es macht Spaß mit ihnen zu touren und ein paar Bier zu trinken, oder ein paar mehr. Aber was denkst Du denn?

Bob: Hm, was denke ich...

Jasper: Oh, sie haben einen echten Iren in der Band. Und sie fangen meist mit einem etwas ruhigeren Intro auf der Akkustik-Gitarre an. Das ist ein kleiner Unterschied. Aber es eigentlich mehr Gemeinsamkeiten.

Remco: Ich finde unser Sound ist etwas anders. Wir sind ein bisschen punkiger.

Andries: Ja, wir sind ein bisschen mehr in Richtung Punk.

Remco: Und ein bisschen "fresher", Mr. Irish Bastard ist eher rough oder edgy, vielleicht auch mehr real.

Andries: Lass uns betonen, dass die Bands, auch bevor ich sie kannte, schon befreundet waren. Wenn man über zwei Bands sagen kann, dass sie Freunde sind, dann über diese. Das macht es wesentlich lustiger zusammenzuspielen. Wir spielen ja im November auch in Kassel zusammen und beim Kirchweih Indoor.

Bob: Habt ihr denn noch mehr Konzerte mit ihnen vor?

Remco: Das hatten wir ja gerade, aber was man noch sagen kann ist, dass wir immer versuchen Termine zu vermitteln, wo wir nicht können, Festivals zum Beispiel. Und andersrum auch.

Bob: Und wie seid ihr an die Dreadnoughts gekommen?

Andries: Ich habe oft mit denen gemailt. Ich mach das manchmal, dass ich Bands schreibe und ihnen sage, dass ich die Musik gut finde. Und dann haben die sich zurück gemeldet. Aber Remco hatte auch Kontakt zu ihnen.

Remco: Ja, bevor Jasper in die Band kam, hatten wir einen Bouzouki-Spieler. Der ist jetzt ein recht bekannter DJ hier. Der Sänger der Dreadnoughts war früher bei Siobhan, die auch viel in Europa getourt haben.

Bob: Ein keltischer Name?

Jasper: Ja, die Tossers hatten das auch in einem Song-Titel.

Remco: Und dieser Bouzouki-Player war mal mit denen auf Tour und hat da deren Bassisten vertreten.

Bob: Und was erwartet ihr von den Touren in Deutschland?

Andries: Jede Menge Spaß. Und wir werden sehr durstig sein. Mit den Dreadnoughts freuen wir uns sehr auf Berlin.

Bob: Mit wem würdet ihr denn noch gerne touren?

Andries (ohne zu zögern): Flogging Molly.

Jasper: System of A Down.

Andries: Wir würden auch gerne mal Bruce Springsteen supporten. Der hat ja auch mal Folk gemacht. Auf seiner ersten CD war ja auch Akkordeon zu hören.

Bob: Ja, American Land könnten auch einige Folk-Bands spielen. Plant ihr ein paar Festivals zu spielen?

Andries: Klar, die Frage ist nur, ob die Festivals auch planen uns zu booken...

Bob: Also nichts festes?

Andries: Nur ein paar kleinere.

Remco: Wir sind bestätigt für eins der größten Festivals in den Niederlanden, das Oster-Festival.

Andries: Aber sie haben uns am falschen Tag geplant.

Jasper: Tomba ist da in Kanada, das wird ein bisschen tricky.

Andries: Da freut man sich auf das Festival und dann stellt man fest, dass es an dem Tag nicht geht.

Remco: Das ist schon Mist. Lass niemals einen Booker was für dich planen...

Bob: Wo ward ihr bisher auf Tour?

Andries: Hm, Holland, Holland, Holland...

Remco: ... Spanien. Wir haben letzten September eine Tour durch Nordspanien gemacht. Da spielen wir auch einen Song drüber heute Abend.

Andries: "Road Trip to Asturias"

Bob: Und wo war es am schönsten?

Remco: Schon Spanien, obwohl Andries noch nicht dabei war... Es waren 10 schöne Tage.

Bob: Ward ihr als Band schon mal in Deutschland?

Andries: Ja, in Senftenberg bei Dresden.

Bob: Und hat es euch gefallen?

Remco: Es war großartig. Jasper mochte es erst nicht, weiles eine echte Hardcore-Punk-Menge war.

Jasper: Und die Fahrt da hin. Da waren diese Straßenschilder: Krakau, Warschau, Moskau...

Remco: Es war aber eine schöne Zeit da.

Andries: Ich erinner mich an ein paar Konzerte da mit Mr. Irish Bastard. Man sieht da im Publikum immer viele Skinheads. Und die haben da die Guten und die Bösen. Ich erinner mich an ein Konzert in Kassel, da waren so Riesen mit Glatzköpfen und einer von denen kam auf die Bühne und sagte: Wir sind die Guten. Wenn hier irgendwo Faschisten sind, dann hauen wir die um.

Remco: Das Problem ist hier ja gottseidank nicht so groß und wir sind ja auch keine politische Band. Leider...

Bob: Und warum nicht?

Remco: Naja, ein bisschen politisch sind wir schon. Manchmal sind die Texte schon politisch. Manchmal geht es aber auch um die Umwelt, darum auf sich aufzupassen und nett zueinander zu sein. Manchmal auch ums gegenseitige Abschlachten...

Bob: Okay, gleich hab ich alles gefragt... Wer ist eigentlich der Johnny Cash Fan von euch?

Jasper: Tomba, der Sänger. Wir waren mal Snowboarden und er hat die ganze Woche auf seiner Akkustikgitarre Johnny Cash gespielt. Und wenn ihm keiner mehr einfiel hat er immer neue überlegt...

Remco: Das liegt an seinem Vater. Der hat ihn dazu gebracht...

Bob: Arbeitet ihr schon an was neuem?

Andries: Ja, wir werden heute auch schon 7 neue Songs spielen. Und aufnehmen werden wir im September. Release ist dann wahrscheinlich Anfang nächsten Jahres.

Remco: Es kann aber sein, dass es erst in Japan auf dem gleichen Label rauskommt wie das der Bastards.

Bob: Kommt es auch in Deutschland raus?

Remco: Ich hoffe, wir haben eine Distributor in Deutschland, vielleicht möchte auch ein Label es rausbringen.

Bob: Okay, letzte Frage: Wer von euch ist der größte Trinker?

Jasper: Der Kleinste: Remco... (Lachen)

Andries: Er ist nicht unbedingt der beste Trinker, aber immer betrunken...

Remco: Ja, weil ich immer trinke. Ihr trinkt Abends vielleicht mehr, aber ich trinke die ganze Zeit.

Jasper: Er fängt schon nachmittags an...

Autor: Jöran Kuschel

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