30 Jahre Bühne und sie können es nicht lassen.

Never Mind the Bollock Brothers in Dortmund

Konzertbericht: Bollock Brothers - Dortmund, FZW, 15.01.2010

Es gibt Dinge, die passieren mir wirklich nicht oft, z.B. dass ich mit 39 zu den Jüngsten auf einem Konzert gehöre. Letzten Freitag war es aber mal so, die waren mal wieder in Dortmund und deren beiden ersten Platten hatte ich mir mit 15 gekauft. Viele der heutigen Fans waren damals wohl schon einen Tacken älter.

Etwas anderes hat mir der Abend aber auch gezeigt, die schon ein wenig älteren Jungs von den machen unheimlich Spaß, ich habe schon lange keine Band mehr gesehen, die so locker und ungezwungen so viel Spaß auf der Bühne hatten. Setlist? Wofür? Das geht auch ohne! Und wenn man mal den Einsatz deswegen verpasst, na und, fangen wir doch einfach nochmal an. Toller Kontrast zu dem Perfektionismus vieler heutiger selbstverliebter Bands.

Begonnen hat der Abend noch ohne Sänger Jock mit dem Intro zu Faith Healer, doch vor Jocks Einsatz dann der Break. Jock ordentlich mit Anzug und Schal, würdiger Auftritt. Okay, dann eben noch nicht. Nach der Begrüßung der Dortmunder Fans ging es dann aber richtig los, und zwar gleich mit "Horror Movies". Ich dachte noch: "Hey, bitte nicht gleich die coolen Songs zu Beginn verbrennen". Wie blöd dieser Gedanke war, wurde mir während des Gigs immer wieder dadurch bewusst, dass ich mich an andere neue alte Songs der erinnern konnte. Scheiße, ich muss mir jetzt endlich mal eine neue Nadel für meinen Plattenspieler holen, damit ich mein Vinyl wieder reaktivieren kann oder ich versuche mir die Bollock-Brothers-Alben schick remastered als CDs zu besorgen.

Das Publikum scheint den Gig genauso genossen zu haben wie ich. Überall sah man sich im Takt bewegende und vor allem laut mitgrölende Fans. Songs wie "Harley David Son of a Bitch" und "Four Horseman" gingen allen textsicher von den Lippen. Eine Überraschung für mich war dann irgendwann "King Rat", echt ein klasse Song! Zwischen den Songs schöne Ansagen von Celtic-Fan Jock McDonald. Da wurde, wie es sich gehört, die Celtic-Dortmunder-Fanfreundschaft beschworen und natürlich auch die Freundschaft zwischen den und ihren Dortmunder Fans durch zahlreiches Anstoßen und Zuprosten gepflegt. Probleme gab's nur als Jock seinen so geliebten Whisky-Cola nicht bekam. Auch der Versuch, ein Date mit seiner "Schwester" für ein Whisky-Cola zu versprechen, fruchteten zunächst nicht. Schließlich klappte das mit dem Getränk aber doch noch.

Leider bekomme ich hier nicht die komplette Setlist zusammen, erinnern kann ich mich noch an "Henry VIII." und "Jesus Lived Six Years Longer Than Curt" beides live absolut klasse. Neben der glänzend aufgelegten Band lag das aber auch an dem Publikum, das hin und wieder die Gesangparts für sich forderte, sodass Jock sein Mikro lieber ins Publikum hielt als selbst zu singen. Ein weiterer Höhepunkt war "Pretty Vacant" bei dem Chris und Richard ihre Instrumente tauschten und Richard den Gesang übernahm. Als dann die Zugaben anstanden, ließ es sich die Band nicht nehmen "Henry the 8" ein zweites Mal zum Besten zu geben. Schade, hätte mir den Song mit dem Text von "Le Hand of le Frog" dazu gewünscht (googelt mal danach). Zu guter Letzt kam dann doch noch "Faith Healer" und so schloss sich dann der Kreis an diesem Abend, so wie er begonnen hatte.

Fazit: "Um so älter der Jahrgang um so besser", gilt für die auf jeden Fall! Da ist es echt egal was für ein Könner man auf einem Instrument ist, oder was für ein geiler Sänger man ist, ein Konzert braucht für mich vor allem Charisma und das haben "Jock and the bhoys!" Hab schon lange nicht mehr so auf einem Konzert gelacht und soviel Spaß gehabt. Danke Jock!

Autor: Frank Reins

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