Jo Bergeron (Jo Bergeron) - 13.08.2014

Mit seiner One Week Records Session zeigte , dass man mit Glück und Können die Möglichkeit hat, dazu zu bewegen, eine Platte mit einem aufzunehmen. Da das Album ausgesprochen gut war, schnell mal ein Interview über Jos Geschichte und seine Zukunftspläne gemacht, die ihn hoffentlich bald nach Deutschland bringen.

Jöran: Erzähl doch am besten erst mal ein bisschen über Dich.

Jo: Ich habe in meiner Heimatstadt Quebec City in den 1990ern angefangen in verschiedenen Bands, wie Wide Load und Embrained, zu spielen. Ich hatte besonders mit Wide Load eine Menge Airplay im Fernsehen und Radio, was dabei geholfen hat ne Menge Festivals im Osten Kanadas während der 2000er zu spielen. Ich habe jede Menge Songs geschrieben und aufgenommen. 2012 habe ich dann mein erstes echtes Solo-Album, “Hammered Pennies“ herausgebracht. Aufgenommen wurde es mit einer vollen Band mit der ich auch ab und zu noch spiele. Allerdings bin ich momentan eher als Solo-Act unterwegs.

Jöran: Wann und warum hast Du angefangen Musik zu machen?

Jo: Ich habe zu Beginn der Highschool angefangen Musik zu machen. Einen Sommer brachte mein Cousin seine Akkustik-Gitarre mit für seinen Urlaub bei uns zu Hause. Wir haben die ganzen Ferien damit verbracht Songs zu spielen und haben sogar einige (furchtbare) selbst geschrieben, bevor ich das Instrument überhaupt selbst richtig spielen konnte.

Ich muss natürlich nicht extra erwähnen, dass das eine Art Offenbarung für mich war.

Ich habe den Sommer meine ersten beiden Songs gelernt, die Klassiker der Grunge- und Metal-Ära waren; "Come As You Are" und "Enter Sandman", meine ich.

Kurze Zeit später habe ich meine erste Stratocaster bekommen und angefangen so viel wie möglich zu spielen. Für einen Teenager, der bei seinen Eltern lebt und sonst keine Verpflichtungen hat, ist das ne ganze Menge Zeit zu spielen.

Angefangen Songs zu schreiben, soweit ich mich erinnere, habe ich ein paar Monate nachdem ich meiner ersten Akkorde gelernt habe. Das Singen, was eher in Richtung Schreien ging, kam dann natürlich zur gleichen Zeit.

Jöran: Wie hast Du getroffen?

Jo: Das ist eine lange Geschichte. Ich versuche mich kurz zu fassen.

Die ganz kurze Fassung ist: "Auf der Bühne".

Die Lang-Version ist eine Serie von Ereignissen im letzten Sommer. Ich bekam einen Anruf von meinem Freund Antoine, der, wie ich, ein riesiger Fan ist, und mir erzählte, dass es diesen Contest auf Joeys Website gab, bei dem lokale Songwriter eingeladen waren, auf eine Scorpios-Show einen Song zu spielen. Es war der letzte Tag des Wettbewerbs, ungefähr 2 Stunden vor dem Ende um genau zu sein.

Ich war nicht zu Hause und hatte keinen Computer, also sagte ich: "Heeeeey Antoine, kannst Du mir einen GROSSEN Gefallen tun? Kannst Du alle meine Infos aus meinen E-Mails zusammensuchen und bei dem Wettbewerb einreichen?" Ich gab ihm dann mein Passwort und sagte ihm, er sollte meine Mails durchsuchen um alles zu finden, was er brauchte.

Ich bin sehr glücklich, dass er das für mich gemacht hat, da ich ein paar Wochen später einen Anruf bekam, bei dem mir gesagt wurde, dass ich der Sieger in meiner Heimatstadt bin! Großartig! Obwohl Antoine jetzt alle meine dunklen Geheimnisse kennt...

Während der Show, auf dem Höhepunkt des Sets, wurde ich dann von den Scorpios gebeten, einen meiner Songs auf der Bühne zu spielen. Sie waren alle da: Joey Cape, Brian Wahlstrom und Jon Snodgrass; Zuschauer während ich spielte, die sehr genau von der Seite zugehört haben.

Ich habe meine Gitarre angeschlossen und gespielt. Die Zuschauer waren eh schon voll dabei und begeistert, da es in der Mitte des Sets des Headliners war. Ich war bisher immer nur Opener auf unzähligen Shows, wenn die Zuschauer eher miteinander quatschen wollen und was trinken als jemandem zuzuhören, den sie nicht kennen. Es war also ziemlich cool, die ganze Aufmerksamkeit zu bekommen.

Ich denke, es ist recht gut gelaufen.

Nach der Show habe ich dann mit Joey geredet und er hatte ein paar nette Worte für mich. Am Ende habe ich ihm mein Album gegeben. Joey Cape zu treffen und während seiner Show einen Song zu spielen war schon einmalig für mich. Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass danach noch was kommt.

Jöran: Warst Du sehr überrascht, als er Dich gefragt hat, ob Du eine Album für One Week Records aufnehmen möchtest?

Jo: Ich war absolute begeistert.

Jöran: Fühltest Du Dich geehrt?

Jo: Absolut! er ist definitiv der Songwriter, der den meisten Einfluss auf mich hatte. Wenn dir so jemand sagt, dass er deine Songs mag und dich, obendrauf, zu ihm nach Hause ins Studio einlädt um eine ganze Woche mit dir zu verbringen, ist das natürlich eine große Ehre.

Jöran: Wie fühlt es sich an auf eine Woche und zehn Songs begrenzt zu sein?

Jo: Es ist eine große Herausforderung. Zehn Songs in einer Woche aufzunehmen ist absolut verrückt. Es war so intensiv, dass ich, nachdem ich die Songs in San Francisco aufgenommen hatte, erst einmal 4 Tage am Stück geschlafen habe.

Aber die begrenzte Zeit bringt auch mehr Spontanität mit sich, ein natürlicheres Gefühl bei den Songs. Zum Beispiel haben wir uns bei den Songs, bei denen wir Gitarre und Vocals separat aufgenommen haben, eine "Three Takes"-Regel aufgelegt. Du singst den Song also drei mal... und das wars. Kein Zurück. Das ist komplett anders im Vergleich zu einer "normalen" Aufnahme-Session bei der du so viel machen kannst, wie du willst und auch nach einer Woche noch mal zurück kommen kannst um noch mehr aufzunehmen.

Jöran: Hast Du Druck gespürt jetzt produzieren zu müssen?

Jo: Vielleicht, aber ich habe versucht das meiste vorher vorzubereiten, da ich wusste, dass es eine Marathon werden würde.

Jöran: Gibt es Dinge, die Du anders gemacht hättest, wenn Du mehr Zeit gehabt hättest?

Jo: Naja, ein paar Unvollkommenheiten. Die gehören aber zum Erlebnis dazu. Ich bin eigentlich sehr zufrieden mit meinem One Week Record.

Jöran: Hast Du die Songs seziell für das Album geschrieben oder gab es die schon vorher?

Jo: Ein paar sind nur runtergeschraubte Versionen von "Hammered Pennies". Es sind aber auch ein paar brandneue dabei und "Save Yourself", den ich schon seit Jahren mit mir rum trage.

Jöran: Was ist die Geschichte hinter "Save Myself"? Ein wunderschöner Song übrigens.

Jo: Vielen, vielen Dank. Ich denke, ich habe den Song schon vor einer Dekade angefangen. Vielleicht sogar noch früher. Ich hatte die meisten Teile schon für eine Weile, der Chorus kam aber erst Jahre später.

Es wurde über eine so lange Zeit geschrieben, dass es kleine Versatzstücke verschiedener Phasen meines Lebens beinhaltet. Im Grunde geht es darum, etwas zu verlieren, von dem du weißt, dass du es nicht zurück bekommen wirst.

Weil es so viele verschieden Impressionen, die ich während einer lange Zeit gesammelt habe, enthält, ist es vermutlich der Song, der mir am meisten bedeutet. Es musste auf mein One Week Record. Ich hatte den Song schon so viele Male aufgenommen ohne es jemals richtig zu treffen, obwohl ich es hätte schaffen sollen. Im Studio in San Francisco hat Joey mir dann richtig dabei geholfen, den richtigen Ansatz für diesen Song zu finden. Du kannst ihn sogar im Background gegen Ende des Songs hören. Nicht schlecht, oder?

Jöran: Was sind Deine Pläne für die Zukunf?

Jo: Auf Tour gehen. Meine Musik spielen und an andere Orte bringe. Neue Menschen treffen. Meine Weihnachtsgeschenke kaufen.

Jöran: Wo würdest Du gerne auf Tour gehen?

Jo: Überall, aber Europa ist der Kontinent, wo ich als nächstes hin möchte. Ich denke, ich sollte in der Lage sein, etwas da drüben zu organisieren.

Jöran: Danke noch mal für das Interview. Ich hoffe, wir sehen Dich irgendwann in Deutschland!

Jo: Ich danke für das Interview und dass Dir mein Album gefallen hat. Ich hoffe, ich kann bald mal in Deutschland spielen.

Autor: Jöran Kuschel

Konzert-Tip der Redaktion: