Kamchatka - The Search Goes On

Kamchatka - The Search Goes On

Ein echtes 70ies-Groove'n'Roll-Monster was das Trio da auf CD haben pressen lassen! Das Jahr 2014 fängt ja so etwas von geil an, meinetwegen kann jetzt nur noch Schrott veröffentlicht werden, mir egal. Der Groove der Jungs hat an so mancher Ampel bereits den Weg über meinen rechten Fuß aufs Bremspedal, übers Rücklicht zum genervten Autofahrer hinter mir gefunden.

Zunächst muss ich mich mal outen, habe ich leider erst kennengelernt, als sie 2009 für Clutch den Support auf der Deutschland-Tour gegeben haben. Ihre ersten drei Alben habe ich mir gleich vor Ort gekauft und sie wurden zum Dauerläufer. Leider habe ich die Jungs danach ein wenig aus den Augen verloren. Lag wohl auch daran, dass ich vom 2011er Album „Bury your Roots“ recht enttäuscht war. Das Ding hörte sich echt an, als ob Abba sich an einem Rock-Musical versucht hätten. Aber jetzt haut das Trio aus Schweden diese Hammer-Scheibe raus, Respekt!

Im Hause Kamchatka hat sich aber auch personell etwas getan. Roger Öjersson hat die Band verlassen und der langjährige Freund und Weggefährte der Band Per Wiberg hat den Bass übernommen. Per Wiberg seines Zeichens ex-Keyboarder bei Opeth und Spiritual Beggars scheint der Band eine ordentliche Portion Groove verabreicht zu haben.

Schon der Starter „Somedays“ ist der absolute Hammer. Gleich nach den ersten Riff-Wiederholungen drängen sich Vergleiche mit Uriah Heap und Led Zeppelin auf. „Tango Decadence“ ist quasi die Single zum Album, zumindest gibt es ein offizielles Video dazu. Der Song sticht ein wenig aus den anderen Tracks des Albums heraus, da er recht catchy und eingängig ist – stoner light.

Die beiden nächsten Songs „Coast To Coast“ und „Son Of The Sea“ gehen wieder ziemlich ab und sind richtige Heavy-Rocker. Besonders zweiteres ist ziemlicher Rock'n'Roll. Das rifflastige Gitarren-Spiel Anderssons, die Hooklines Wibergs und das groovige Drumming von Tobias Strandvik - prägen zunächst, bis einem dann die Lyrics und der Refrain mit Thomas Anderssons göttlicher Stimme im Ohr hängen bleibt. Thomas Stimme hat einen echt heftigen Kontrastumfang von dreckig bis sauber und melodiös.

Mit „Broken Man“ geben die Jungs aus Schweden uns ein wenig Zeit zum Verschnaufen, was nach den ersten 4 Tracks auch nötig ist. Bis auf den Mittelpart mit einem kreischenden Gitarrensolo ist es wieder Thomas' Stimme die diesen Song Ihren Stempel aufdrückt. Auch der nächste Song „Pressure“ ist ähnlich gestrickt, wobei Thomas jetzt zwischen sanft und dreckig wechselt und die Instrumente ihm folgen. „Cross The Distance“ ist nochmals ein wenig ruhiger, quasi die Ruhe vor dem Sturm.

Der Sturm trifft einem dann mit „Thank You For Your Time“ rockig, catchy und mit einer riesigen Portion 70er. Geiles Ding. „Dragons“ kommt dann nochmal recht langsam und düster daher und lebt von der Spannung in Thomas' Stimme.

„Search Goes On“ als letzter Song der Title-Track fürs Album - der Titel ist Programm und gleichzeitig Fazit für die gesamte Scheibe. Kamchatka suchen in ihren nicht begrabenen Wurzeln und ziehen alles an musikalischen Figuren und Instrumenten aus der 60/70er-Schublade deren sie habhaft werden konnten.

Fazit: Danke an das Kamchatka-Trio für dieses ausgewogene Heavy-Blues-Rock-Album, das den Geist der 60/70er heraufbeschwört ohne dabei altbacken zu wirken. Mein derzeitiges Nummer-1-Album 2014.

Tracks:

  1. Somedays
  2. Tango Decadence
  3. Coast To Coast
  4. Son Of The Sea
  5. Broken Man
  6. Pressure
  7. Cross The Distance
  8. Thank You For Your Time
  9. Dragons
  10. The Search Goes On

Autor: Frank Reins

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