Stonerrock-Lektion

Dave Wyndorf mit Monster Magnet

Konzertbericht: Monster Magnet - Köln, Live Music Hall, 01.11.2008

Über 4 Jahre ist's her, dass Dave Wyndorf mit Monster Magnet durch Deutschland tourten. Die 2006er Tour musste dann leider ausfallen, denn Dave Wyndorf landete mit einer Überdosis in einer Klinik. Um es direkt vorweg zu nehmen: Dave ist zurück, nicht mit einer energetischen Show wie damals, sondern authentisch mitreißend und mit der Wucht seiner Hammerstimme.

Doch zunächst zu Nebula der zweiten Band an diesem Abend. Die Pilgrim Fathers, die diesen Abend eröffneten haben wir leider verpasst, denn wir mussten mal wieder feststellen, dass es nicht so einfach ist aus dem östlichen Ruhrgebiet nach Köln zu kommen (Wink mit dem Zaunpfahl: eine Konzerthalle in Dortmund wäre nicht schlecht). Als wir endlich in der Live Music Hall ankamen waren die 3 schmächtigen Nebula-Jungs schon auf der Bühne. Live hatte ich das Trio bisher noch nicht gesehen und somit war ich doch sehr von dieser Lektion Stoner-Rock überrascht. Psychodelischer ging's nimmer, 70er Jahre Riffs bis zum Anschlag, ab und an eine Ansage mit einem solchen amerikanischen Slang, dass mir keiner sagen kann, er hätte da auch nur irgend etwas verstanden. Musikalisch ein echter Genuss, aber als Anheizer ... naja, sagen wir mal so: Nebula laden eher zum Träumen und meinetwegen auch zu einschlägigen Rauchgenüssen ein.

Nach der Umbaupause stehen dann auf der Bühne, standesgemäß betritt Dave Wyndorf diese als letzter. Dick eingepackt mit Jacke und vollkommen ohne jegliche Show, einzig ein paar Ventilatoren wehen ihm seinen Haaren eine steife Briese entgegen. Als Starter haben sich die Jungs "Dopes To infinity" und "Crop Circle" ausgesucht. Irgendwie hat man das Gefühl, dass Dave leicht unsicher wirkt, er scheint das Publikum genau zu beobachten. Als beim Song "Powertrip" das Publikum richtig in Fahrt kommt, scheint das Eis gebrochen und Dave Wyndorf zeigt sich zusehends lockerer. Monster Magnet und das Publikum nehmen nun immer mehr Fahrt auf und mir kommen die ersten verschwitzten Leute entgegen, die es im begeisterten Bunch vor der Bühne nicht mehr aushalten.

Jetzt wird's deutlich, dass Dave Wyndorf und Monster Magnet nichts von ihrer Faszination und ihrem Charisma verloren haben. Überall sieht man leicht ekstatische Gesichter und Tanzeinlagen. Es tut der Stimmung auch absolut keinen Abbruch, dass Dave aus seiner Kur ein paar Kilo Kummerspeck mitgebracht hat, dieser Man braucht keine blöden Effekthaschereien oder die strippenden Gogo-Girls von 2004. Songs wie "The Right Stuff" oder "Space Lord" haben an diesem Abend eine solche Durchschlagskraft, dass es hinter mir jemanden so aus den Socken haut, dass die Sanis alle Hände voll zu tun bekommen. Mädel, da war wohl die letzte Zigarette schlecht, was?

Die Zugabe von 4 Songs habe ich mir dann auch lieber von Hinten angeschaut, aber da ist es an diesem Abend auch kein deut leerer aber die Luft ist ein wenig besser. Was für grandioser Abend, ich hoffe, dass Herr Wyndorf es genauso genossen hat wie ich und dass er heute eine gehörige Portion Zuversicht tanken konnte. Welcome back!

Setlist Köln:

  • Dopes To infinity
  • Crop Circle
  • Powertrip
  • Twin Earth
  • Third Alternative
  • Zodiac Lung
  • Radiation Day
  • The Right Stuff
  • Negasonic Teenage Warhead
  • Space Lord
  • Melt
  • Cage Around The Sun
  • Tractor
  • Spine of God

Autor: Frank Reins

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