Dave Hause (Dave Hause) - 28.10.2013

Mit "Devour" hat eins der wichtigsten und relevantesten Alben der letzten Jahre hingelegt; zumindest für die Generation derjenigen, zwischen 30 und Mitte 30. Im Interview spricht er nun über die Hintergründe seiner Songs und seine Technik, durch gezielt gesetzte Kontraste eine große Wirkung zu erzeugen.

Jöran: Auf "Devour" hast Du mit "Damascus" und "Benediction" eine Art Einleitung und einen Abschluss eingebaut. Warum?

Dave: Die Thematik des Albums ist sehr weit gefasst und ich wollte es mehr wie einen Roman schreiben als einzelne Story-Songs. Es ist so gedacht, dass alles irgendwie zusammen hängt und so waren die Einleitung und der Schluss eine Art Buchdeckel für das Album.

Jöran: Die beiden Songs haben Titel mit einer religiösen Konotation. Ist das nur Zufall oder hast Du das so gewählt?

Dave: Ich habe die Titel genau so gewählt. "Damascus" als Referenz auf die Reise des Apostels Paulus und "Benediction" als Abschlusssegen in der Kirche.

Jöran: Ich finde, die Songs haben häufig einen starken Gegensatz zwischen der Stimmung der Musik und des Textes. "Fröhliche" Songs haben oft sehr traurige, bittere oder sogar zynische Texte, während ein Song wie "Bricks" sehr melancholisch klingt, aber doch einen eher ermutigenden Text hat. Würdest Du dem zustimmen?

Dave: Ja, würde ich. Für mich ist es wichtig eine bestimmte Stimmung zu erzeugen um dann mit dem Text daraus hervorzustechen. Einen solchen Kontrast zu nutzen hilft da eine Menge.

Jöran: Der Kontrast ist besonders hart bei "The Great Depression" und "We Could Be Kings". Ist das Deine Art zu beschreiben, wie die "promising" 80ies zu einem schalen Versprechen wurden?

Dave: Meine Idee war es, die Songs wie Lieder kligen zu lassen, die im 80ies Rock Radio laufen würden. So erzeugen sie einen bekannten musikalischen Rahmen für eine kritische Bewertung.

Jöran: Wann hast Du Dich entschieden "Devour" als thematische Reise zu schreiben?

Dave: Als die erste Gruppe von Songs sich formte und sich wie eine Art 1. Akt anfühlte, wusste ich, dass ich die Platte in diesem Format zu Ende bringen musste.

Der 3. Akt war dann der Schwierigste, aber als ich "The Shine" geschrieben hatte, wusste ich, dass ich meine Hände an der Gurgel des Projekts hatte.

Jöran: In wie weit ist "Devour" eine Geschichte Deines Lebens?

Dave: In vielen Bereichen ist es das, aber die Idee ist es, eine größere Story zu erzählen; die Geschichte meiner Generation, von Menschen meines Altes. Einige der Texte sind meine spezifischen Erfahrungen, andere eher relevant für Freunde oder Familie, und andere sind nur Geschichten, die im Kontext Sinn machen. All das ist in den Versuch eingeflossen, ein Stück zu schreiben, dass so dringend ist, wie ich es hin bekomme.

Jöran: Wie wichtig war es Dir, dieses Album zu schreiben? War es eine Art Katharsis?

Dave: Schreiben ist für mich immer kathartisch. Dieses Album war für mich persönlich das wichtigste, was ich seit dem ersten The Loved Ones Album geschrieben habe.

Jöran: Inwiefern beziehen sich der Titel, das Artwork und das Cover auf das Thema des Albums? Und warum hast Du den Falken mit der Haube als Cover gewählt?

Dave: Das alles bezieht sich direkt auf einige der Hauptthemen des Albums. Du siehst einen Raubvogel, der von einer Frau gehalten wird, die nicht fokussiert ist, ein Versuch ihn in einem sehr häuslichen Setting zu beruhigen. Da ist ein flüchtiger Blick auf die Welt draußen, aber die Augen des Vogels sind verbunden um ihm vom Fliegen und Jagen, seiner Natur, abzuhalten. Es ist ein sehr aufgeladenes Bild!

Jöran: Hat Dein Umzug nach Kalifornien das Album beeinflusst? hat es Dir neue Einblicke gegeben und war es wichtig, altes hinter sich zu lassen um die Songs zu schreiben?

Dave: Nein. Das Album wurde in Kalifornien nur fertig gestellt, war aber schon zu 85% fertig, bevor ich in den Westen gezogen bin.

Jöran: Du hast mit einigen Musiker bei den Aufnahmen zusammen gearbeitet. Was haben sie zum Album beigetragen?

Dave: Ihr Instinkt und ihre Musikalität haben die Songs in einer unfassbaren Weise zum Leben erweckt. Es war eine große Freude mit ihnen zusammen zu arbeiten.

Jöran: Was es einfach für Dich die Produktion in die Hände von Alekel und Townsend zu legen?

Dave: Absolut! Vollendete Profis, unglaubliche Talente und sie haben meine Vision für "Devour" wirklich verstanden, respektiert und umgesetzt.

Jöran: Wie haben Deine Freunde, Fans und Deine Familie bisher auf "Devour" reagiert?

Dave: Unglaublich gut. Ich fühle mich geehrt und bin so weit sehr begeistert. Ich kann es kaum erwarten, raus zu gehen und die Songs zu spielen.

Jöran: Letzte Frage: Wird es eine The Loved Ones Reunion geben?

Dave: Danke für das Interview.

Autor: Jöran Kuschel

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