Snicken (Stonewall Noise Orchestra) - 27.07.2013

Nach dem überragendem Live Auftritt der Schweden haben Leadgitarrist Snicken und ich uns die Zeit genommen, um an einem schattigen netten Plätzchen im Grünen, einen kleinen Schwatz über das neue Album Salvation und über die Pläne der Band in näherer Zukunft zu halten. Ein Bierchen durfte da natürlich auch nicht fehlen.

Eddie: Euer neues Album „Salvation“ ist als sehr kritisch anzusehen. Kritisch in Bezug auf die Lyrics. Was ist eigentlich anders beziehungsweise außergewöhnlich im Gegensatz zu euren Vorgängeralben?

Snicken: Ich denke, dass die Lyrics auf diesem Album einfach ehrlicher sind und direkter vom Herzen kommen als jemals zuvor. Es ist die Rede über alltägliche Dinge, die im Leben geschehen. Ich bin ein Beobachter. Ich liebe es Menschen und die Dinge, die sie tun, zu betrachten. Es ist kein großes Dingen kritisch gegenüber anderen Menschen zu sein. Es geht eher darum mir selber Fragen zu stellen. Was sind die Gründe für das, was man im Leben tut. „Wecker stellen, 5 Tage die Woche arbeiten gehen“. Man lebt nur einmal und darum geht es. Vielleicht war das der Grund ja die Sichtweise dafür, als ich die Texte für dieses Album geschrieben habe. Ja ich denke es war so. Ich habe viel darüber geschrieben. Möglich, dass es sich sehr dunkel anhört und dass die Leute es als kritisch ansehen. Aber ich glaube, dass die meisten Fragen, Fragen an mich selber sind.

Eddie: Es geht also darum wer du bist - wohin du gehörst?

Snicken: Ja. Es geht mehr um mich als um irgend jemand.

Eddie: Was willst du genau damit sagen?

Snicken: Ich schätze mal, jeder möchte ein Zuhause haben. Die meisten Menschen hätten gerne einen sicheren Platz, an den sie zurückkehren können. In stressigen Zeiten wie diesen, denken die Leute nicht daran. Sie gehen immer nur voran. Ich glaube nicht, dass sie wissen, wohin sie eigentlich hingehören.

Eddie: Ist es ein familiäres Denken?

Snicken: Ja, ja. Es ist persönlich. Ich denke, dass ich dies auch bei anderen Menschen sehe. Ich glaube, dass jeder nach irgend jemand oder etwas sucht. Es ist eine unbeantwortete Frage, wohin man gehört. Ich möchte damit niemanden stressen. Es sind einfach Fragen an mich selbst.

Eddie: Also ist die Frage nach der Bedeutung im Leben auch an die Zuhörer gerichtet?

Snicken: Jawohl. Habt ihr darüber nachgedacht? Wisst ihr wohin ihr gehört? Genau das meine ich.

Eddie: Man kann also die Frage nach dem "Wohin gehöre ich" zum Beispiel mit Familie beantworten?

Snicken: Ja, so in der Art.

Eddie: Wieso sieht man keine abgedruckten Lyrics auf den Vinylscheiben oder als Booklet bei den Cds?

Snicken: Ich würde es gerne tun. Aber es immer eine Frage des Geldes, um es einfach zu beantworten. (Snicken muss schmunzeln)

Eddie: Gibt´s denn eine Seite oder so, wo man sich die Texte runterladen kann?

Snicken: Nö. Ich hoffe die Leute hören sich das an. Vielleicht sollten wir die Texte digital zusammen mit dem Album bereitstellen, damit die Leute sich das runterladen können, falls sie interessiert sind. (Snicken muss lachen).

Eddie: Eure Texte können aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt werden. Für einige Leute ist es aber schwierig. Worum geht es in deinen Texten? Welchem Sinn gehen sie nach?

Snicken: Es geht tendenziell um die Fragen: Was ist der Grund dafür, dass wir hier sind. Warum tun wir Dinge, die wir tun. Ist es gerade "Arbeit" was wir hier tun (gemeint ist das Interview). Wir haben gerade in diesem Moment, wo wir hier sitzen, eine gute Zeit. Wir beide sind seit unserem kennenlernen gute Freunde geworden. Können wir das immer haben? Fragen nach Geld ausgeben, Zeit verbringen. Man hat nur das eine Leben. Solche Sachen. Gedanken, die in meinem Kopf herumschwirren. Ich schreibe gerne diese Fragen nieder, obwohl ich selber die Antworten nicht kenne. Ich teile gerne die Fragen mit anderen. Fordere sie auf sich damit auseinander zu setzen. Ich spreche von Sachen, die die Leute sich eventuell selber sagen, wie "Ich hasse meinen Job oder Ich hasse meine Frau / Mann". Ich provoziere gerne. Aber ich möchte auch niemanden auffordern irgendwelche Dinge zu tun, da ich es selber nicht weiß. Es sind Fragen halt, die ich mir selber stelle. Ich frage aber gerne das Publikum oder diejenigen, die sich das Album anhören. Ich stelle einfach gerne diese Fragen.

Eddie: Zusammenfassend kann man sagen, dass es bei Salvation um den Sinn des Lebens geht?

Snicken: Ja. Ich denke es ist die Suche danach.

UPSSSS Digigerät fiel leider in den Bierbecher - Digirecorder dropped into cup of beer (the secret of the lost spoken words - Snicken: Next time we should drink only water!)

Aber nach dem herausfischen des Gerätes aus dem Bierbecher und Bauchschmerzen vom Gelächter, stießen wir mit dem erwähnten Bierchen an und führten unser Interview weiter.

Eddie: Haben euch einige Künstler inspiriert, während ihr an eurem neuen Album gearbeitet habt? Ich denke da zum Beispiel an „Dead Eden“, der ein wenig an Clutch erinnert, aber in schwedischer Machart.

Snicken: Ich denke, dass alle Alben von uns einen Teil von allen Genres beinhalten. Es ist hier viel Metal, da viel Bluesrock, da ein bisschen Pop. Seit dem ersten Album haben wir uns dafür nicht interessiert. Wir sind froh, wenn wir zehn oder zwölf gute Lieder veröffentlichen können. Ja haben einfach Spaß daran, dann diese Songs live zu spielen. Wir reden nicht davon und sagen „Ah das klingt nicht oder nein das ist nicht SNO“ oder so etwas in der Art. Wir machen einfach Musik. Wir lassen unseren Gedanken freien Lauf und nehmen es direkt auf. Das lässt uns „brennen“. Entweder es gefällt den Leuten oder nicht. Viele Bands meinen: Ah das sind Song-Ideen, die mit uns nichts zu tun haben. Die Leute fragen dann: Ja aber mögt ihr denn diese Songs spielen? Die Antworten dann wieder: Ja wir mögen es, aber eigentlich sind wir das nicht. Ich sage nur: Gebt 'nen Scheiß drauf. Tut worauf ihr Bock habt. Spielt einfach die Songs. Es ist doch egal, ob es ein rockiger Popsong, ein heavy Bluessong oder was auch immer ist. Eben das liebe ich an uns, dass man uns in keine Schublade packen kann.

Martin: Wieviele Lieder schreibt ihr für ein Album?

Snicken: Im Vergleich zu vielen anderen Bands sind wir ziemlich straight. So nach dem Motto: "Ein Idee, probieren, aufnehmen. Ah das klingt nicht. Ah der klingt super. Ah das ist auch ein guter Song. Klingen die gut? Ja. Ok scheiß drauf wir behalten beide." Für ein Album mit zwölf Songs haben wir vielleicht sechzehn geschrieben. Es gibt Bands, die schreiben fünfzig Lieder und es landen dann zehn auf dem Album. Mein Gefühl sagt mir, dass sie sehr viel wertvolle Zeit beim Schreiben dieser fünfzig Lieder vergeuden. Sie schreiben vierzig Songs, die sie dann wegwerfen, bloß weil Leute bestimmte Sachen von Ihnen erwarten. Sie denken darüber nach, dass dieser oder jener Song nicht nach Ihnen klingt. Aber wie sollen Songs nach einem klingen? Wir klingen sowie wir klingen. Von einem Tag zum anderen Tag unterschiedlich.

Eddie: Bei euch ist das dann eher: Erwartet das Unerwartete? Praktisch von Album zu Album?

Snicken: Ja. Absolut. Wir wollen immer größere Kreise ziehen. Wenn Leute denken, dass sie uns in einer Ecke haben, dann wählen wir den entgegengesetzten Weg.

Eddie: Eine Art Revolution?

Snicken: Hm. Sowie ein Kind, dass nicht das tut, was Mama ihm / ihr gesagt hat. Bin ich ein guter Junge Mama? Ja, bist du. Fuck drauf, ich mache mein Dingen.(Snicken und ich müssen lachen) Ich liebe es. Es geht um alltägliche Fragen im Leben wie Höhen und Tiefen oder was Leute von einem erwarten oder wie sich was im Leben wendet. Stonerband ja oder nein. Machen wir doch einfach 'nen Disco-Lied. Ich liebe es.

Martin: Ihr seid aber eine echte Stonerband?

Snicken: Nein Martin. Wir sind es nicht und auch nie gewesen. Ich habe damals bei Demon Cleaner gespielt und da war es eher dann schon automatisch so. Ich habe niemals drum gebeten in eine Schublade gesteckt zu werden. Es ist nicht so, dass ich es nicht mag, dass Bands in eine Schublade gesteckt werden und andere wiederum in eine andere. Aber das ist nicht der Punkt. Ich liebe gute Musik. Ein guter Song ist ein guter Song. Das ist Sache.

Eddie: Ist das neue Album von euch Mainstream?

Snicken: Ich würde eher sagen, dass es "nackt" ist. Frei für jedermann, der sich darauf einlassen möchte.

Eddie: Es gibt Songs, die sehr catchy rüberkommen, aber auch Songs wie „Monsoon song“, der sehr düster und kalt klingt. Wie ist das Ganze vereinbar?

Snicken: Ich denke es geht um Lieder einer kleinen Band, die es immer und immer wieder versucht. Mal ergeben sich gute Gelegenheiten und dann ist wieder der Wettergott gegen einen. Es ist ein harter und langer Weg, um an die Spitze des Rock zu gelangen. So wie AC/DC (Snicken lacht). Von außen scheint es so, als ob man nur Bier trinken würde, aber man wendet enorm viel Zeit und Geld auf, um lediglich vier bis fünf Minuten Spaß zu haben.

Eddie: Also ist es eine Art von „Long way to hell but not finished“?

Snicken: Richtig! Es ist ein Kampf und wenn man den Weg weitergehen möchte, dann muss man da durch.

Eddie: Wie sieht es mit der näheren Zukunft aus? Stehen irgendwelche Touren auf dem Programm?

Snicken: Geplant sind einige Festivals und Clubtouren durch Schweden. Gleichzeitig werden wir neue Songs probieren und neues Material aufnehmen. Wir werden uns dafür die benötigte Zeit nehmen und sehen wie weit das Ganze gehen wird. Anschließend gibt´s dann im Frühjahr eine längere Tour hier in Schweden.

Eddie: Was ist mit einer europaweiten Tour 2014 ?

Snicken: Wir arbeiten dran und schauen uns nach einer Buchungsmöglichkeit für Europa um. Eigentlich machen wir die ganze Zeit eine Welttournee, wenn sich Möglichkeiten ergeben würden (Snicken lacht). Im Moment suchen wir nach Leuten aus dem Musikbusiness, die wirklich mit uns zusammenarbeiten und noch mehr Musik aufnehmen wollen. Für mich sind diese Leute aus dem Musikbusiness allesamt Verkäufer, denen es nur ums Geld geht. Ein Haufen von Ärschen, die nicht an Musik interessiert sind. Zumindest 99% davon und Musikinstinkt-dot-de ist das eine Prozent, denen etwas an uns und vor allem an unserer Musik liegt. Ein paar Leute, die mit uns an einem Strang ziehen. Die mit uns gemeinsam bauen. Eddie du weißt wie es ich meine. Ich würde mich nie drum bemühen, irgendwelche Hintern zu küssen, um darum zu bitten "Dies oder Das" machen zu dürfen. Ich habe nicht die Zeit dafür. Ich möchte einfach Musik machen. Ich kümmere mich nicht, um das was mir die Leute vorschlagen. Ich möchte das tun, was ich liebe. Natürlich möchte ich eine Welt- oder Europatour spielen. Ich finde einfach nicht die richtigen Worte, um das zu beschreiben.

Eddie: Ralf (Mustasch) sagte mal: Musik ist das Einzige, was mich am Leben hält (musikalisch gesehen) Eventuell in der Art?

Snicken: Ja, so in der Art. Am Ende ist es egal, ob man dich bezahlt oder nicht. Du tust es, weil du es tun willst.

Eddie: Wo oder wie siehst du S.N.O. in der Zukunft?

Snicken: Wir werden damit weitermachen, was wir gerade tun, weil es Spaß für uns ist. Hoffentlich werden zukünftig noch mehr Leute involviert, die die Leidenschaft für Musik mit uns teilen. Vielleicht erschaffen wir gemeinsam etwas, was uns dann mit anderen Menschen verbindet. Also gute Musik und nicht den täglichen Radioscheiß. Das wäre mein Wunsch. Es ist nicht mein Traum ein Rockstar zu werden. Ich möchte soviel Zeit auf Musik verwenden, wie ich will. Deshalb geht es nicht (Rockstar zu werden), da ich meine Rechnungen bezahlen und arbeiten gehen muss.

Eddie: Wäre es denn so schlimm ein Rockstar zu werden ? (Ich muss schmunzeln)

Snicken: Ne, das wäre nicht schlimm, wenn´s klappen würde. Aber ich wäre garantiert kein Arschloch. Denn ich mache, was ich will. Nun wir arbeiten jetzt an unserem fünften Album und ich würde gerne irgendwann am fünfzehnten arbeiten wollen. Ich bin kein Kaugummi, dass sich dauernd verformen lässt. Ich bin da schon sehr beständig, was das angeht. Wie die Ramones.

Eddie: Eure Alben bzw. Ihr habt einen eigenen Sound kreiert und trotzdem klingt jedes neue Album anders, aber halt mit eurem typischen Sound. Viele Bands bekommen das nicht hin und richten ihre Musik ein Stückweit auf den aktuellen Hype.

Snicken: Musik kommt aus dem Herzen und dies setzen wir an erste Stelle. Wie wir schon vorher darüber gesprochen haben. Du kannst dich nicht auf ein Genre festnageln lassen, weil man es von dir erwartet, dass du dahin gehörst. Dann musst du eventuell etwas ändern, was aber nicht gut ist. Ich kann dir hundert Bands nennen, die es so gemacht haben. Spiele einfach deine Musik und veröffentliche Alben. Einige Leute werden dich hassen und andere lieben oder finden ihre neue Lieblingsband oder was auch immer. Du musst es von dem Standpunkt der Band sehen. Es ist unsere Reise und wenn du es magst, dann sei herzlich eingeladen und fühl' dich frei mit uns auf diese Reise zu gehen. Wir sind niemandem etwas schuldig.

Eddie: Ok Snicken dann danke fürs kurze Interview und bis zum nächsten Mal.

Snicken: Kein Problem Eddie. Jederzeit gerne wieder.

P.S.: Snicken we have to schmooze about the lyrics (albums) and the story which is goin´ on called Stonewall Noise Orchestra.

Interviewstandort: Stonewall Noise Orchestra Bus - Rock Im Wald - Neuensee 27.07.2013

Außentemperatur: 40 Grad im Schatten.

Autor: Eddie Sharik

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