Tony Sly (Tony Sly) - 16.10.2011

Wieder Münster, wieder das Gleis 22 und wieder die Herren Cape, Sly und Snodgrass - warum also auch nicht mal wieder ein Interview? Gesagt, getan, hier das Ergebnis. Ein Interview mit einem nachdenklichem, scheinbar von den Tourstrapazen mitgenommenem Tony Sly, der recht offen über seine Solo-Sachen und auch seine Probleme mit dem Tourleben redet.

Jöran: Wenn ich so auf die letzten 2 Jahre zurückschaue, dann hast Du mit "12 Song Programm", "Sad Bear" und dem "Sorcpios"-Album 3 Platten veröffentlicht. Du scheinst im Moment sehr produktiv zu sein.

Tony: Oh, ja, ich weiß auch gar nicht, wie das kommt. Ich weiß gar nicht, ob ich so außerodrentlich produktiv war in den letzten beiden Jahren, es kam einfach alles so raus. Ende letzten Jahres, nach der No Use For A Name Tour, bin ich nach Hause gekommen und habe angefangen Solo-Songs zu schreiben. Eigentlich wollte ich ein neues No Use Album schreiben, aber die Songs klangen für mich mehr nach Solo-Songs, daher hab ich ein neues Solo-Album geschrieben. Und ich hatte Extra-Tracks, also kamen Jon und Joey und sagten: 'Hey, wir alle haben Stücke von unseren neuen Alben übrig, warum machen wir die nicht alle auf ein gemeinsames Album, schreiben 2-3 neue Stücke, nehmen ein Cover auf und nennen es Band und touren damit?'. Ich fand die Idee cool und wir haben die Band dann "Scorpios" genannt, weil wir alle das gleiche Sternzeichen haben.

Jöran: Die ganze Scorpios-Geschichte kam also, weil ihr alle Songs übrig hattet?

Tony: Ja, wir hatte alle Songs übrig und außerdem war es eine gute Gelegenheit mit Freunden was aufzunehmen. Wir wollten das schon immer so machen, eher als immer nur mal hier mal das Gastsänger auf der Platte des anderen zu sein. Ich wollte wirklich gerne für eine Zeit mit Jon und Joey zusammenarbeiten.

Jöran: Ihr habt ja vor 1 1/2 Jahren schon einmal genau so zusammen getourt. Und da fing das alles an?

Tony: Ja, das ist es, wie alles begann. Wir hatten damals die Idee mit der Platte allerdings noch nicht. Damals wollten Joey und ich eigentlich eine Co-Headline-Tour machen und Jon spielte auch. Das war anders damals und dann haben wir angefangen auf der Bühne zusammen zu spielen anstatt dass jeder sein eigenes Set spielt. Wir waren also zusammen auf der Bühne und spielten die Songs des anderen, also so auf die traditionelle Songwriter-Art. Und jetzt haben wir auch noch einen Pianisten dabei um den Sound abzurunden und professionell klingen zu lassen. Das ist etwas, was wir schon sehr lange mal machen wollten.

Jöran: Letztes Mal fand ichs echt gut, dass ihr mal alleine auf der Bühne wart und dann wieder alle zusammen. Wird das heute auch so? Oder wird es mehr so in Richtung Band gehen?

Tony: Ähm, wir werden alle gleichzeitig auf der Bühne sein. Es ist also mehr das Band-Konzept. Es macht ne Menge Spaß und wir freuen uns echt.

Jöran: Dann lass mal ein wenig über "Sad Bear" reden, welches ich großartig finde.

Tony: Oh, danke!

Jöran: Ja, es ist ein echt großes Album. Aber, was hat Dich beim Schreiben der Text beeinflusst? Die meisten sind ja wirklich recht dunkel und traurig?

Tony: Stimmt, das ist richtig. Es ist zurzeit eine schwere Phase in meinem Leben. Ich weiß nicht, ob das alles selbstverschuldet ist, was natürlich sein kann. Ich denke, irgendwann kommst du an einen Punkt in deinem Leben, wenn du älter wirst und Kinder hast und eine Frau, da willst du auf Tour sein, aber du wirst verwirrt. Vor längerer Zeit war es so, dass ich einfach rausgegangen bin und die ganze Nacht durch Partys gefeiert habe, heute ist touren mehr eine Art Job. Ich habe immer noch Spaß auf der Bühne zu stehen und zu spielen, aber der Rest des Tages ist sehr schwierirg für mich, weil ich nicht zu Hause bin. Das wiegt ganz schön schwer auf deinem Beziehungen, mit deiner Familie und deinen Freunden. Du beginnst deine Freunde zu verlieren, du verlierst den Kontakt zu deiner Familie, das ist schon seltsam.

Jöran: Du tourst dieses Jahr auch ne Menge hier in Europa. Festivals mit No Use For A Name, die tour jetzt, im November noch einmal tour mit No Use For A Name...

Tony: Ja, ich fahr aber zwischendrin auch nicht nach Hause.

Jöran: Nicht?

Tony: Nee, da sind ja nur 3 Tage zwischen.

Jöran: Zurück zu "Sad Bear". Ich hatte den Eindruck, dass es experimenteller ist als "!2 Song Programm". Du hast mehr Folk- und Country-Einflüsse auf der Platte. Wie kommt das? War das geplant oder kamen die Songs einfach so raus?

Tony: Hm, ja, das war schon geplant. Ich wollte, dass es eine ganz andere Platte wird und zeitweise so klingt, als wäre da eine ganze Band bei. Ich hatte ehrlichgesagt keinen "richtigen" Drummer, es gibt zwar einen, der auf einigen Songs Snare mit Besen spielt, aber ja, es ist schon lustig. Ich habe die Songs recht schnell geschrieben aber die Instrumentierung hat recht lange gedauert, damit alles so klingt wie es klingt. Ich glaube insgesamt sind da noch 10 weitere Musiker auf der Platte zu hören, die allesamt so gut sind, dass sie mich noch besser klingen lassen. Es ist sehr schön mal was anderes zu erleben als Punk, also mit diesen eher klassischen Musikern.

Jöran: Wie sehen Dich die Leute denn? Ist es mehr so, dass Du der No Use For A Name Sänger bist, der jetzt auch Solo-Alben macht?

Tony: Äh, ich denke, dass das die meisten tun, ja. Leider kann ich das nicht abschütteln, aber auf der anderen Seite ist das auch der Grund, warum ich überhaupt Solo-Alben veröffentlichen kann. Aber ich denke, die meisten Leute sehen das so. Ich würde es lieben, wenn sie es nicht tun würden, weil da einige Songs drauf sind, wo sie sagen werden: 'Was macht er da?'. Zum Beispiel der Country-Song, Du weißt schon. Das heißt dann immer, ich habe keine Country-Roots. Aber ich denke, jeder hat einen Menge Wurzeln und es sollte da keine Einschränkungen geben, was ich schreiben soll. Ich kann Punk-Songs schreiben, ich kann Country-Songs schreiben, ich kann Reggae-Songs schreiben, was auch immer... Das neue Album ist einfach das, was ich machen wollte. Ich denke "12 Song Programm" ist großartig, ich mag die Songs, aber "Sad Bear" ist mehr experimentell und es ist mehr "Mehr selbst rausbringen", für Leute die dann sagen werden: 'ich kann nicht glauben, dass dieser Typ sowas macht'. Ich mag die Herausforderung, ich mag es, wenn Leute sagen, dass ich das nicht könnte, ich es aber trotzdem mache.

Jöran: Wie reagieren denn Deine Bandkollegen darauf? Du hast immerhin ne ganze Menge Solo-Sachen gemacht seit dem letzten Album mit No Use For A Name.

Tony: Hm, sie mögen das nicht, weil es mir die Zeit fürs Touren mit der Band und zum Schreiben nimmt. Aber ich kann nicht immer mit der Band touren, weißt Du. Außerdem haben wir einen neuen Drummer, also ist es schon anders, wir könnten jetzt gerade ne Menge touren und das wird auch wahrscheinlich wieder der Fall sein.

Jöran: Plant ihr ne neue Platte?

Tony: Ja, ich fange gerade langsam an neue Songs zu schreiben, aber ich zwinge mich nicht gerade dazu, weil ich will, dass es sehr sehr gut wird. Ich will, dass es ein Album wird, dass ein wenig Druck von mir nimmt.

Jöran: Also bist Du noch am Schreiben? Ihr habt noch nicht mit Proben oder Aufnahmen angefangen?

Tony: Nee, da hatten wir noch keine Zeit für. Ich war so sehr mit meinem Solo-Zeug beschäftigt...

Jöran: Ok, letzte Frage: Wie wichtig ist es für Dich, dass Du mit Deinen Solo-Sachen und Scorpio und No Use For A Name tourst? Ist es Dir wichtig alles zu machen?

Tony: Also, ich weiß nicht. Das ist schwer zu sagen. Ich sehe mich mit "Sad Bear" nicht so viel auf Tour wie mit dem Vorgänger, damit bin ich eigentlich überall aufgetreten. Das war ne lange Tour und nimmt etwas von weg. Gut, No Use For A Name hatte ein paar Probleme in den letzten 2 Jahren, die Krankheit unseres Bassisten zum Beispiel und unser Drummer, der vor ungefähr einem Jahr ging. Aber jetzt haben wir einen neuen Drummer und das ist doch ganz gut...

Autor: Jöran Kuschel

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