Pat (Anti-Flag) - 16.04.2012

Nachdem "The General Strike" hier für einige Freude gesorgt hatte, war es natürlich ein Highlight im Rahmen der Tour ein Interview mit Anti-Flag-Drummer Pat machen zu dürfen. Bei diesem, beim Konzert im Oberhausener Zentrum Altenberg, stattfindenden Gespräch ging es natürlich um Politik, Revolution aber auch um das neue große Ding Akkustik-Set.

Jöran: Ok, lass erst mal über "The General Strike" reden. Welches Feedback habt ihr bisher bekommen?

Pat: Ehrlich gesagt, achte ich da nicht so drauf. Jeder sagt mir, dass er es liebt, weil das höflich ist, außer sie sind deutsch, die sagen dann, dass sie es mögen. Für mich selbst ist es eins der besten Alben, die wir in den letzten Jahren gemacht haben. Es ist direkt "In-Your-Face", sehr Punkrock, was mir sehr gefällt. Ich mag es also. Normalerweise höre ich mir unsere Platten nicht so gerne an, bei diesem ist es aber anders. Ich höre es sogar beim Auto fahren.

Jöran: Also bist Du eher der Musiker, der seine eigenen Songs nicht so sehr mag? Weil Du sie zu oft spielst?

Pat: Nee, ich höre einfach die ganzen Probleme bei den Songs. Es ist also keine gute Erfahrung, weil ich immer daran denke, was ich hätte anders machen sollen. Deswegen höre ich mir mein eigenes Zeug nicht so gerne an.

Jöran: Wie habt ihr die Songs ausgewählt, die auf dem Album sind? Ich finde, dass ihr sehr häufig den Stil und das Tempo ändert.

Pat: Das interessante ist, ist das es für uns ja so ist, dass Leute, die nicht in der Band sind, nicht das ganze Bild sehen dessen, was wir in dieser Zeit geschrieben haben. Die ganzen Songs, die nicht auf dem Album sind zum Beispiel. Wir schreiben normalerweise so 20 bis 30 Songs. Wenn Du also das Gesamtbild siehst, macht die Auswahl wesentlich mehr Sinn, aber wenn Du es auf die Scheibe einengst, denkst Du natürlich, dass das eine recht komische Auswahl ist mit all den Sprüngen. Aber da lagen dann meist auch 1-2 Songs dazwischen, die es nicht aufs Album geschafft haben.

Jöran: Wann habt ihr die Songs denn geschrieben? Es sind ja schon 3 Jahre seit dem letzen Album.

Pat: Wir haben es über einen Zeitraum von ungefäh 1 1/2 Jahren geschrieben.

Jöran: Ihr sprecht so viele unterschiedliche Themen an, "Neoliberal Anthem" zum Beispiel hätte ich so ins Jahr 2008 gepackt, während "Ranks of the Masses" eher ins letzte halbe Jahr passt.

Pat: Ja, vor allem wegen der Revolutionen die zur Zeit im Nahen Osten und im Arabischen Frühling stattfinden. Ja, es ist wahr, eins der interessanten Dinge, wenn Du ein eigenes Studio besitzt ist, dass Du aufnehmen kannst, wann immer Du willst. Das unschöne ist, dass man manchmal einfach nicht arbeiten will oder kann, weil man zum Beispiel auf Tour ist. Dieses Album lief nicht so, dass wir gesagt haben "Wir gehen ins Studio und nehmen die Songs auf, die wir haben." Es war mehr so, dass wir ein paar Songs geschrieben haben, auf Tour gegangen sind, haben andere Dinge gemacht, sind zurück gekommen, haben mehr Stücke geschrieben, wieder auf Tour und so weiter. Der Aufnahme-Prozess war also länger, aber nicht, weil wir die ganze Zeit aufgenommen haben, sondern weil wir Tour waren. Wir wollten immer neue Songs schreiben, aber es kam immer was anderes dazwischen.

Jöran: Bei "Ranks of the Masses" sagtest Du ja, dass es sehr stark von den Geschehnissen im Nahen Osten beeinflusst ist. Aber könnte man es nicht auch ein bisschen als Hymne der Occupy-Bewegung sehen?

Pat: Okay, ja. Ich sehe das Ganze ja als ein und die selbe Sache. Der arabische Frühling, Occupy, all das. Auf der ganzen Welt sind Revolutionen im Gange und es fing im Nahen Osten an, dann kam es nach Madison, Wisconsin in den USA und dann in die Occupy-Bewegung in den USA. Wir waren in Indonesien und Thailand, wo es auch Occupy-Bewegungen gibt. Ich denke, das die Revolution zur Zeit um die ganze Welt geht und jede Gesellschaft wird inspiriert von den anderen.

Jöran: Und obwohl die Zelte weg sind, geht es weiter?

Pat: Oh ja, es weitet sich unter der Oberfläche aus. Es wird wieder in den Mainstream kommen. Es geht definitiv weite. Die Menschen sind noch immer frustriert von ihrer ökonomischen Situation und suchen immer noch nach etwas, was besser ist als die Situation jetzt.

Jöran: Sieht so aus, als wärest Du nicht frustiert, dass die Bush-Administration als Gegner weg ist?

Pat: Nein! (lacht) Nein, wirklich nicht. Wir werden das wirklich oft gefragt. Wir waren aber auch schon da, als es die Clinton-Administration gab und ehrlich gesagt auch schon beim ersten Bush. Es ist also keine Frage, wer im Weißen Haus ist, da immer Menschen, die versuchen ihre Macht auszunutzen um Scheße zu bauen. Was wichtig für uns ist, ist Menschen zu finden, die die Macht in ihre eigenen Hände nehmen und ihre Schicksal selbst bestimmen. Darüber reden und Dinge herauszuheben, von denen wir denken, dass sie falsch laufen, das it unser Ding. Da kommt es nicht drauf an, wer im Weißen Haus sitzt.

Jöran: Du wirst dann wahrscheinlich auch keine gute Meinung vom diesjährigen Wahlkampf haben?

Pat: Nun ja, ich bin frustriert von Obama aufgrund dessen, was sie tun wollten und wie wenig sie bisher erreicht haben. Egal ob es daran lag, dass sie nicht wirklich dran geglaubt haben oder dass sie auf eine Menge Hindernisse gestoßen sind. Ich bin mir nicht sicher, woran es lag, es war aber auf jeden Fall ineffektiv. Wie auch immer, ich habe lieber Obama als McCain und auf jeden Fall auch lieber als Romney oder Gingrich.

Jöran: Das sind ja auch die beiden letzten anderen Optionen?!

Pat: Ist Newt auch raus?

Jöran: Oh, ich weiß gar nicht. Santorum ist raus.

Pat: Ja, zum Glück. So ein verrückter Mann. Und der kommt auch noch aus unserem Bundesstaat. Komplett verrückter Faschist.

Jöran: Denkst Du, wenn Obama gegen Romney antritt, wird er einige Occupy-Ideen aufgreifen?

Pat: Ich hoffe es. Ich bin mir nicht sicher, ob er es tut, Romney wird es definitiv nicht tun. Wenn Obama sich zu diesen linken Überzeugungen bewegt, würde ich mich freuen und es unterstützen.

Jöran: So lange er sich nach der Wahl noch dran erinnert...

Pat: Ja, das ist die Sache...

Jöran: Hm, okay... (Zettel überflogen)

Pat: (lacht) Du guckst da gerade drauf unter dem Motto: "Das haben wir jetzt alles schon..:"

Jöran: Ja, fast. Ich wollte noch über das Video reden, das ihr für Amnesty gemacht habt. Wer hatte die Idee?

Pat: Das war unsere Idee. Ehrlich gesagt, so wie Du es ausdrückst ist es nicht ganz richtig. Wir haben das Video gemacht und es dann AMnesty angeton. Wir lieben die Arbeit von Amnesty und haben häufig eng mit ihnen zusammen gearbeitet. Wir haben das Video also gemacht, weil wir dachten, es wäre ein interessantes Statement und haben es Amnesty dann gezeigt, woraufhin sie begeistert waren und wir zusammen gearbeitet haben.

Jöran: Wieso genau habt ihr euch für die Muppets entschieden?

Pat: Das erste Konzept war, etwas niedliches etwas grausames tun zu lassen, da, wenn es nicht etwas niedliches gewesen wäre, die Menschen vermutlich abgeschaltet hätten, weil es zu viel geworden wäre. Wir versuchen also die Lächerlichkeit zu zeigen, wie die Muppets Menschen foltern, um damit zu zeigen, wie lächerlich es ist, dass Amerikaner andere Menschen foltern. Es war sehr interessant den Leuten zu erklären, dass wir die Muppets beim Waterboarding von Justin zeigen. Viele Menschen verstehen das mit den Elektroschocks nicht, aber das ist ein Zitat des Guantanamo Bay Fotos des Häftlings auf der Box, einer CIA-Foltermethode. Wir wollten Aufmerksamkeit darauf lenken, wie verrückt das alles ist. Und natürlich auch auf die gerade verabschiedete NDAA, die der Regierung das Recht gibt Menschen unbegrenzt festzuhalten. Wenn sie das machen, werden sie im Grunde rechtlos und man kann fast alles mit ihnen machen, da sie im Grunde nicht existieren.

Jöran: Gibt es in den USA auch Proteste gegen ACTA?

Pat: Das Internet-Abkommen? Bei uns gibt es ja SOPA. Ist sowas Ähnliches. Und ja, wir versuchen den Leuten zu verklickern, dass das nichts ist, an das wir glauben. Technisch gesehen, weil wir ja Musiker sind, versuchen Politiker das Ganze, als Versuch unser geistiges Eigentum zu vermarkten, aber ich denke, das ist Bullshit. Ich denke, es geht darum die Kommunikation im Internet zu kontrollieren. Für uns ist es sehr wichtig, dass eben diese offen und frei ist.

Jöran: Wie ist denn Deine generelle Einstellung zu der Sache. Für Dich als Musiker gibt es doch da auch Nachteile, weil eurer Musik runter geladen wird.

Pat: Definitiv. Aber ich glaube, dass der Wert, mit riesigen Mengen von Menschen zu kommunizieren, was ja auch die Revolutionen, über die wir gesprochen haben sehr genutzt haben, höher und wichtiger ist, als dass ich 7 Cent von jeder CD bekomme, die mehr verkauft wird.

Jöran: Versucht ihr dann auch eure Musik auf anderem Wege zu verkaufen?

Pat: Ähm, wir experimentieren da natürlich wie jeder andere auch. Einige waren erfolgreich mit Internet-Releases, andere nicht. Da ist definitiv ein gewisser Druck auf den Leuten im Business neue Wege zu finden ihre Musik zu den Menschen zu bringen. Wir waren da auf keinen Fall Innovatoren, weil wir immer erst schauen, ob es nicht andere machen, bevor wir es tun. Aber es wird ein neues System kommen. Das alte ist ja nun so gut wie tot.

Jöran: Oh, ich bin fast durch mit meinen Fragen. Ein paar hab ich noch. Warum zum Beispiel habt ihr euch diesmal für eine Club-Tour entschieden?

Pat: Wir haben das in den Staaten auch schon gemacht. Wir wollten mit dem neuen Album eine intimere, engere Konzertatmosphäre haben. Für mich ist das wesentlich interessanter. Es ist auch eine Frage, wie nah man an die Leute ran kommt. Wir kommen im Sommer ja auch noch mal für größere Konzerte, daher wollten wir jetzt die individuelleren Kontakte haben.

Jöran: Eine andere Sache, die ich mich fragte, als ich gesehen habe, dass ihr beim Groezrock ein Akkustik-Set spielt: Ist das sowas wie "The new big thing"? So viele Bands machen das jetzt...

Pat: Das ist so ein wenig der Joke, der zu Deiner letzten Frage passt. Um die Leute zu den Shows zu bekommen, musst Du was Besonderes bieten. Ich witzel dann imemr rum, dass wir demnächst die Leute zu Hause abholen und zum Konzert fahren, damit sie kommen. Ich denke, die Akkustik-Sets sind eine Art, den Leuten das Gefühl zu geben, dass sie einen größeren Mehrwert für den Ticket-Preis haben, weil sie das Akkustik-Set und die Show sehen.

Jöran: Ich hab ja immer das Problem mir das bei euch vorzustellen, weil ihr sehr von eurer Energie und Kraft lebt.

Pat: Wenn Du noch 10 Minuten hier wartest, wirst Du wahrscheinlich noch sehen, wie Justin und #2 ein paar Songs spielen. Es ist natürlich nicht Joan Baez, es ist Anti-Flag auf Akkustik-Gitarren.

Jöran: Spielt ihr dann euere Songs und spielst Du überhaupt mit?

Pat: Nein, ich spiele einfach zu laut. Ich bin mir aber gar nicht sicher, ob Justin nicht auch ein paar seiner Songs spielt. Beim Groezrock wird er das wohl tun.

Autor: Jöran Kuschel

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