Bang, bang, bang, bang - vamanos, vamanos

Clutch mit The Sword und Witchcraft auf Tour

Konzertbericht: Clutch - Bochum, Matrix, 19.04.2007

Durch eine Vorverlegung meines Urlaubsfluges, hätte ich dieses Konzert fast sausen lassen müssen. Aber hey, 's neue Scheibe „From Beale Street To Oblivion“ ist derzeit der Dauerläufer in meinem Player, da kann man doch mal auf Schlaf verzichten! Ich schaffte es gerade noch rechtzeitig, um mir den schwedischen Support Witchcraft anzuschauen.

Den vier jungen Doom-Metallern mit ihrem leicht Stoner-Rock angehauchten Sound wurde artig applaudiert. Abgeliefert wurde eine gute solide Arbeit, wobei es für mich ein wenig zu viel „Eierziehhoch“-Gesang war, ist nicht so mein Geschmack. Zwischen drin zeigte Sänger Magnus Pelander, dass er aber auch anders kann und lies sich ein paar derb aggressive Shouts entlocken. Schade, sonst fand ich den Auftritt doch recht eintönig.

Rockiger wurde es dann mit den Amis von . Eigentlich hätte diese Band hier ein eigenes Review verdient. Bei mir und dem Bochumer Publikum kam der kraftvolle Stoner Sound auf jeden Fall gut an - rhythmisches Kopfschütteln eingeschlossen. Die Jungs aus Texas zeigten, dass sie ihren modernen 70er Rock mit mal schweren mal treibenden Riffs auch live rüber zubringen vermögen. Mit der Zeit kam auch mehr Bewegung ins Publikum, da waren dann wohl doch Einige von den Qualitäten der Vier überrascht worden. Das letzte Album der Band „Age Of Winters“ wird wohl demnächst auch Einzug in meine vier Wände halten.

Nun aber zu meinem eigentlichen Grund für den Besuch in der Matrix, der Truppe um Frontmann Neil Fallon. In der Umbaupause füllte sich der vordere Bereich des langgezogenen Matrix-Kellers. Für einen Tag unter der Woche war die Matrix ganz gut gefüllt. Einen brauchbaren Platz für ein paar Fotos hatte ich zum Glück bereits vor der Bühne ergattert, also konnte es losgehen.

„Kleiner Mann ganz groß“, so könnte man die Bühnenshow der Jungs aus Germantown mit vier Worten beschreiben. Während Basser Dan und Gitarrist Tim sich jeglicher aufmerksam machender Bewegung enthielten, dreht Sänger Neil sofort mächtig auf. Der Mann ist einfach da! Kein großartiges Posing, einfach nur schnörkelloser Rock und mittendrin Neil Fallons riesige Ausstrahlung mit der er immer wieder dem Publikum seine Texte zu predigen scheint. Er ist einfach der unbestrittene Herr des Geschehen. Falls ihr noch nie die Gelegenheit hattet live zu sehen, schaut euch mal die Clips auf ihrer MySpace-Video-Seite an.

Den Jungs scheinen alle Trends der Musikindustrie am Arsch vorbei zu gehen, hat man doch noch vor Jahren eher Musik Richtung Hardcore gemacht, kamen die letzten Alben eher in die Stoner-Schublade unter. Den aktuellen Trend zum "härter, schneller, corer" setzen sie nun eine gehörige Portion Blues entgegen. Unterstützt von Mick Schauers Hammond Orgel verwandelt der Sound das Moschen des Publikums recht schnell in horizontale Kopfbewegungen. "I'm going back to Tennessee where I come from". Irgendwie fühlt man sich wie auf einer Zeitreise mit einem Joint zwischen den Lippen.

Als zur Mitte des Gigs auch noch Eric Oblander, seinerseits Frontmann der Five Horse Johnson, mit seiner Harmonica die Bühne betritt, ist das Bluesfeeling für diesen Abend perfekt. Eric rockt dabei so über die Bühne, dass einem Angst und Bange wird, er könnte sich in das eine oder andere Mikro- bzw. Gitarrenkabel verfangen. Aber es ist alles gut gegangen, obwohl Eric bis zum Schluss die Bühne nicht mehr verlässt.

Neben einigen Songs des aktuellen Albums werden auch einige Stücke der letzten beiden Longplayer "Robot Hive/Exodus" und "Blast Tyrant" gespielt und wenn ich mich recht erinnere, gab es mit "Elephant Riders" und "Brazenhead" auch Ausflüge in ältere Platten. Abgeschlossen wurde das Ganze mit meinem Favoriten "Electric Worry".

Ein absolut genialer Abend mit einem richtig guten Auftritt der Band aus Maryland. Guter ehrlicher Rock mit einem herrlichen Drive, der einen immer weiter nach vorne zum Mitgehen treibt. Man merkt der Band dabei einfach ihr Können und ihre lange Erfahrung an. Die Jungs haben halt schon mit Größen wie Slayer, Pantera, und Iron Maiden auf der Bühne gestanden und mussten sich gewiss nicht hinter diesen verstecken. Trotz des Retro-Sounds handelt es sich hier um absolut moderne und saubere Rockmusik, die einfach ein größeres Publikum verdient, denn sind hier in Deutschland absolut unterbewertet!

Autor: Frank Reins

Konzert-Tip der Redaktion: